Weniger Selbstblendung

Das Debüt von Sandra Wittmann in der 3. Liga ist geglückt. Die Schanzer sichern sich mit einem Last-Minute-Treffer gegen Waldhof Mannheim einen Punkt (1:1). Die Saison in der es für die Schanzer um nichts mehr geht, biegt in die Schlusskurve ein.

Seit Wochen hat sich der FCI im Mittelfeld der Tabelle eingemottet. Zwölf Punkte fehlen nach oben, zwölf sind es nach unten. Man könnte sagen: passt schon. Endlich mal eine sorgenlose Spielzeit. Doch der Blick auf die Rückrunden-Tabelle zeigt, wie sehr der Klub seinen Ambitionen hinterherhinkt. Platz 16, vier Siege, sieben Remis und sechs Niederlagen. Die Zielsetzung von Ivo Grilic war „oben mitspielen“.

Eine Zielsetzung mit der größtmöglichen Beinfreiheit. Am Ende spielt der FCI wie vergangene Saison nicht oben mit, sondern dümpelt vor sich hin. Zu wenig für die eigenen Ansprüche. Und viel zu wenig für die mittelfristige Entwicklung. Denn der Tabellenplatz ist das eine. Es geht um viel mehr. Die aktuell gute Nachwuchsarbeit im Nachwuchsleistungszentrum muss weiter finanziell unterfüttert werden, damit das Konzept weiter so erfolgreich fortgeführt werden kann. Die Frauenmannschaft ist zwar Teil des e.V., doch eine weitere Professionalisierung ist nur möglich, wenn die Frauen mittelfristig in die GmbH überführt werden. Mit der Performance der Männer, ist diese Überführung allerdings mehr als eine Illusion. Wohin die Reise in Zukunft geht? Keine Ahnung. Fakt ist nur, dass der FCI seit Jahren neue Experimente wagt und sich auf sportlicher Ebene Fehlentscheidung an Fehlentscheidung reiht.

Die 2. Bundesliga ist notwendig, um das Niveau halten zu können. Doch aktuell scheint diese 2. Liga sehr weit entfernt. Regionalliga-Aufsteiger wie der SV Elversberg oder der SSV Ulm reiten auf der Euphorie-Welle und konnten sich zuletzt zum Meister krönen. Preußen Münster hat ebenfalls gute Karten durchzumarschieren. Klubs wie Dynamo Dresden, vielleicht Regensburg, Sandhausen und mögliche Absteiger wie Osnabrück, Rostock und Wehen-Wiesbaden sind im Wartestand. Die Mission Aufstieg wird nicht leichter. Aktuell fehlt mir schlichtweg die Fantasie wie kommende Saison der Sprung nach oben gelingen soll. Seitdem die Schanzer wieder „Dauergast“ in Liga 3 sind, gelang es nie, eine Saison durchzuziehen.

Der Ex-Schanzer Steven Ruprecht nannte den FCI in einem Interview mit dem Donaukurier neulich eine „Wohlfühl-Oase.“ Manche Spieler würden sich Angebote von Zweitligisten gar nicht anschauen, da der FCI so gut zahlt. Auf dem Gehaltsscheck ist der FCI scheinbar Zweitligist, sportlich aber ein durchschnittlicher Drittligist.

Außerdem schafft es das Management ständig, unbeständig zu sein. Michael Köllners Entlassung drei Spieltage vor dem Ende, sorgte für Erstaunen. Die Kommunikation des Klubs, ebenso. Grilic meinte, der Klub gibt nun Trainer:innen aus dem Nachwuchs eine Möglichkeit sich weiterzuentwickeln. Das ist nichts Neues. Denn Stefan Leitl und Roberto Pätzold waren ebenfalls Trainer aus dem eigenen Stall. Das Ende ist bekannt. Beiden wurde der Hof gemacht, beide wurden schließlich vom Hof gejagt, weil ihnen auch die Unterstützung fehlte. Das Spielermaterial das beide zur Verfügung hatten, war nicht gut genug um es sich zu entwickeln. Bei Stefan Leitl verfügte der Kader allerdings über eine wesentlich größere Grundqualität.

Ob Sandra Wittmann über die letzten Partien hinweg an der Außenlinie stehen wird, wird sich zeigen. Mit den Partien in Liga 3, steigt die Chance, dass sie sich für den notwendigen Fußballlehrer:innen-Lehrgang beim DFB bewerben kann. Ich persönlich wünsche ihr, dass sie für sich die richtige Entscheidung trifft, sollte das Angebot auf dem Tisch liegen, dass sie die Mannschaft kommende Saison komplett übernimmt. Leitl und Pätzold sind die Beispiele, wie es laufen kann.

Ivo Grilic hatte punktuelle Verstärkungen angekündigt. Ob die reichen werden um kommende Saison „oben mitzuspielen“ wird sich zeigen. Denn insgesamt stellt man im Kader eine große Unwucht fest. Ambitionierte Ziele würden helfen und ein ehrlicher Blick in den Spiegel: Wir sind Drittligist. Teilweise bekommt man das Gefühl nicht los, dass viele im Körper eines Zweitligisten stecken. Diese eigene Selbstblendung sollte abgeschüttelt werden. Denn eins sollte nicht vergessen werden, der Weg in die Regionalliga ist oft kürzer als viele denken. 

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