Die geballte Relegationserfahrung

Am Donnerstag trifft geballte Relegationserfahrung aufeinander. Der FC Ingolstadt 04 tritt zuhause zum Hinspiel gegen den VfL Osnabrück an. Osnabrück hatte am Sonntag das Nachsehen und muss nachsitzen. Braunschweig stieg als zweites Team ab. Würzburgs Abstieg war bereits vor wenigen Wochen besiegelt. Damit sind im Übrigen beide Aufsteiger gleich wieder abgestiegen.

Die Schanzer treten zum dritten Mal in Folge in der Relegation an. Das gab es noch nie, egal ob im Ober- oder Unterhaus. Der FCI zieht mit dieser Teilnahme mit Osnabrück als Rekordteilnehmer gleich. Doch immerhin gewann der FCI einmal die Relegationsspiele. 2009/2010 ging der FCI mit insgesamt 3:0 (1:0, 2:0) gegen Hansa Rostock als Sieger hervor. Die Relegationen gegen Wehen-Wiesbaden (4:4) und Nürnberg (3:3) gingen wegen der Auswärtstorregel verloren.

Die letzte Relegation war nichts für schwache Nerven. Hier ein Bild aus dem Hinspiel. Alle Bilder: Roland Geier

Die Jungs von der Bremer Brücke dagegen konnten bisher noch keine einzige Relegation für sich entscheiden. Die erste Relegation nach Wiedereinführung, 2009 verlor Osnabrück als Zweitligist mit 2:0 (1:0, 1:0) gegen den SC Paderborn. 2011 stieg Osnabrück wieder über die Relegation ab gegen Dynamo Dresden (1:1, 3:1 n. V.). 2013 hatte der VfL wieder das Nachsehen gegen Dresden, diesmal aber als Drittligist (1:0, 0:2).

Wehen-Wiesbaden besiegelte in einem furiosen Rückspiel den Abstieg der Schanzer.

Die Schanzer gehen leicht favorisiert in die Relegation. The trend is your friend. Denn nachdem 5:1 in Duisburg und dem 3:1 gegen 1860 sollte das Team ordentlich Selbstvertrauen besitzen. Osnabrück dagegen geht mit einer richtigen Hypothek in die Entscheidungsspiele. Denn Osnabrück war die schlechteste Rückrundenmannschaft mit lediglich elf Punkten (3 Siegen, 2 Remis, 12 Niederlagen). Daran änderte auch der Überraschungssieg am vorletzten Spieltag gegen den HSV (3:2) nichts.

Nachdem in den beiden Bundesligen die Entscheidungen gefallen sind, sollte die Motivation umso größer sein bei den Schanzern. Denn die 2. Bundesliga wird eine wahrhafte Super League. Im Teilnehmerfeld tummeln sich nächste Saison jede Menge Klubs mit großen Namen: Hamburger SV, Werder Bremen, St. Pauli, 1. FC Nürnberg, Hannover 96, Fortuna Düsseldorf und Schalke 04. Möglicherweise gesellt sich der 1. FC Köln noch dazu.

Siegreich war die Mannschaft gegen Hansa Rostock. Damals dabei unter anderem: Stefan Leitl, Ralf Keidel, Tobias Fink, Moritz Hartmann und Andreas Buchner.

Doch trotz der schlechten Hinrunde sollte Osnabrück nicht unterschätzt werden. Vor allem nach den beiden Relegationspleiten gegen Wehen-Wiesbaden und Nürnberg, brauchen die Schanzer dieses Mal gute 180 Minuten um aufzusteigen. Gegen Nürnberg war vor allem die schlechte Hinspiel-Leistung der Genickbruch. Gegen Wehen-Wiesbaden ließ man sich im Rückspiel überrumpeln. Aus beiden Relegationen kann man viel lernen.

Bei Osnabrück sind vor allem drei Spieler bekannt. Kevin Wolze, Außenverteidiger gilt mit 29 Toren in 190 Zweitligaspielen als einer der gefährlichsten Verteidiger der 2. Liga. Er bringt mit 31 Jahren einiges an Erfahrung mit. Sebastian Kerk (27) ist ebenfalls kein unbekannter. Er zählt mit 106 Spielen ebenfalls zum erfahrenen Personal. Er spielte von 2017 – 2020 für den 1. FC Nürnberg. In dieser Saison traf er zehnmal. Vor allem seine Freistöße sind gefürchtet. Ein alter Bekannter ist Maurice Multhaup. Der Ex-Schanzer kam 2015 von Schalke 04 an die Donau. Beim FCI schaffte er aber weder in der ersten noch in der zweiten Liga den Durchbruch. Danach wechselte er zu Heidenheim und kam zu mehr Spielzeit. Jetzt ist er bei Osnabrück und absolvierte 26 Partien. Vor allem auf Wolze und Kerk sollte die Ingolstädter Defensive ein Auge werfen.

Dennoch möchte ich jedenfalls keine Prognose für die Relegationsspiele geben. Leicht favorisiert, alleine psychologisch geht der FCI in die Entscheidungsspiele. Und vor allem beim Hinspiel wird es die große Kunst sein, die richtige Balance aus Offensive und Defensive zu finden. Denn die Auswärtstorregel lässt grüßen. Ein Blick auf die Spielstatistik jedenfalls taugt auch nicht als Referenz. Das letzte Pflichtspiel gegen Osnabrück absolvierte der FCI im Mai 2011. Damals verlor der FCI mit 0:1. Den höchsten Sieg feierte Osnabrück an der Bremer Brücke. In der 3. Liga verlor im August 2009 der FCI 5:2. In sechs Partien gelang dem FCI lediglich ein Sieg, einmal endeten die Spiele Remis, viermal verlor man. Der einzige Sieg gelang dem FCI in der ersten Zweitliga-Saison mit 2:1. Ersin Demir trug sich als Doppeltorschützte ein.

Also es ist wieder alles drin in diesen beiden Relegationsspielen. Beide Spiele überträgt das ZDF und DAZN live. Am Donnerstag wird das Spiel um 18:15 Uhr angepfiffen. Das Rückspiel am Sonntag beginnt um 13:30 Uhr. Und dann wissen wir auch, ob der FCI teil der neuen Zweitliga-Super-League wird.

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