Analyse: Oral hat zur Schlacht gerufen und sich selbst geschlagen

Auch einen Tag nachdem Relegationshinspiel bleibt man ratlos und vor allem frustiert zurück. Der FC Ingolstadt hat gestern im Max-Morlock-Stadion mit 2:0 gegen den 1. FC Nürnberg verloren und alles vermissen lassen. Kampfgeist, Wille, eine spielerische Idee und auch kein aufbäumen. Für den Club der über die Schanzer hinwegrannte wie eine Büffelherde hatte leichtes Spiel. Der FCI kann von Glück reden, dass das Ergebnis nicht höher ausfiel. Das 2:0 ist schmeichelhaft. Auch angesichts dessen, dass die Schanzer keinen einzigen gefährlichen Torschuss abgaben. 

Bereits beim Aufwärmen zeigten die Nürnberg-Spieler, was den Schanzern bevorsteht: Kampf und Wille. Mit lauten Schreien nahmen die Nürnberger ihre Aufwärm-Einheit auf. In den ersten 20 Minuten überrannte der Club den FCI, der aber danach nie dem Spiel seinen Stempel aufdrücken konnte. Die Angriffe waren teilweise amateurhaft gespielt. Lange Bälle, Bälle auf Stürmer die mit dem Rücken zum Tor stehen und dann auch noch halbhoch gespielt. Ecken die im Nichts landeten. Und Marcel Gaus trat einen Freistoß, den ein Nürnberg-Verteidiger locker lässig weggköpfte.

Doch vor allem die Rolle des Trainers Tomas Oral ist zweifelhaft. Der Trainer der sich während der 90 Minuten passiv und teilweise regungslos an der Außenlinie zeigte, vercoachte sich. Die Mannschaft wirkte nicht heiß, hatte keinen alternativen Matchplan, wenn sie überhaupt einen Plan A hatte. Und Oral verzichtete bis zur 85. Minute auf einen zweiten Wechsel! Nach 30 Minuten musste nahm er Ananou für Beister ins Spiel. Beister zog sich eine Zerrung zu und konnte nicht weitermachen. Ananou ist eigentlich ein Außenverteidiger. Er war bemüht, aber wurde eben auf der falschen Position eingesetzt. Wolfram und den technisch visierten Bilbija ließ er auf der Bank. Erst in den letzten fünf Minuten wechselte er nochmal. Viel zu spät um der Mannschaft nochmal neue Impulse zu geben. Oral hätte zur Halbzeit bereits mehr ins Risiko gehen müssen. Zumal ein Auswärtstor für das Rückspiel eine weit bessere Ausgangslage geschaffen hätte. Wehen-Wiesbaden schöpfte bei der Relegation 2019 durch das späte 2:1 im Hinspiel die große Hoffnung für das Rückspiel. Das Ende ist bekannt.

Oral schickte vor dem Spiel verbale Spritzen, Richtung Wiesinger. Wiesinger hatte jedenfalls nachdem Spiel gut lachen.

Bereits im Vorfeld lieferte sich Oral eine verbale Auseinandersetzung mit Club Interimscoach Wiesinger. Wiesinger wählte bei seiner Vorstellungspressekonferenz markige Worte um auf die Brisanz der Relegationsspiele aufmerksam zu machen. Das letzte Hemd geben, für den Club sterben. Eine Wortwahl die dem sonst ruhigen und analyisierenden Coach eher nicht nachgesagt werden. Das nahm Oral zum Anlass, ihn zu kritisieren. Die Aussagen seien nicht authentisch, Wiesinger müsse das ja fast sagen. Wiesinger gab zwar zu, dass man in solchen Situationen auch mal emotional sein muss. Aber was kümmert Oral das eigentlich? Der Coach hat da mal wieder den Mund wieder zu  voll genommen. Doch wie oben beschrieben. Bereits beim Aufwärmprogramm zeigte sich, das Michael Wiesinger mit Co-Trainer Marek Mintal es wohl geschafft haben, einen Mannschaftsspirit und Kampfgeist zu entfachen.

Die späten Wechsel begründete Oral übrigens damit, dass er einfach keinen Bedarf sah, etwas zu ändern. Die zweite Halbzeit gefiel ihm also. Oral sonst der Antreiber, das HB-Männchen an der Außenlinie, verfolgte das Geschehen größtenteils regungslos. Im wichtigsten Spiel der Saison ist Oral also kein Antreiber von der Seitenlinie aus. Er war scheinbar vor dem Spiel auch nicht in der Lage, die Mannschaft richtig heiß zu machen aufs Spiel. Denn nachdem Sturmlauf der Nürnberger und des Nürnbergers hatte man nicht das Gefühl, dass die Mannschaft will und kämpferisch irgendwie wieder ins Spiel zurückfinden möchte.

Zwar konnte der FCI, die Offensivbemühungen des FCN eindampfen. Was aber vor allem daran lag, dass der FCN sich zurücknahm und auf Konter umschaltete. Offensivaktionen gelangen dem FCI keine. In keiner Phase des Spiels hatte man das Gefühl, das Spiel kippt, Richtung Schanzer.

Für das Rückspiel am Samstag hat der FCI dann eine schwere Ausgangslage. Mit einer Hypothek von zwei Toren muss der FCI versuchen früh in Führung gehen um das Spiel offen zu halten. Gleichzeitig dürfen die Schanzer aber auch kein Tor kassieren, sonst ist die Wende kaum noch machbar. Für den Aufstieg braucht es ein 3:0, für eine Verlängerung ein 2:0. Wie der Club agieren wird, ist schwierig zu erahnen. Entweder der FCN stellt sich  hinten rein und lässt den FCI kommen oder sie versuchen früh dem FCI den Zahn zu ziehen. 

Es bleibt also spannend für das Rückspiel. Aber die Schanzer brauchen eine maximale Leistungssteigerung, damit überhaupt noch irgendwas möglich ist. Sollte das Vorhaben, Aufstieg scheitern könnte es zugleich das letzte Spiel von Tomas Oral beim FCI sein. Tomas Oral der zur Schlacht aufgerufen hat, hat sich am Dienstag-Abend selbst geschlagen.

Alle Bilder: Roland Geier

Hier gibt es den Beitrag auch zum Anhören. Spotify: https://open.spotify.com/episode/1VmFciFgsz4eZsDYF4FeIh?si=0_dxuZotTu6pLM87eoUH4A

Ein Kommentar zu „Analyse: Oral hat zur Schlacht gerufen und sich selbst geschlagen

  1. Ja ja, alle Jahre wieder hat man die Möglichkeit was zu erreichen, oder auch wad zu halten und jedes Jahr passiert das gleiche wenn es gilt seinen Mann zu stehen, versagen auf der ganzen Linie. Und das lustige dabei, völlig unnötig, aus aussichtsreichster Position, treffen immer die gleichen Leute die falschen Entscheidungen und keiner weit und breit, der gegensteuern würde. Dies geht nun schon etliche Jahre so in diesem Verein und keine Besserung in Sicht. Einfach einmal für irgendwas stehen und diesen eingeschlagenen Weg zu Ende gehen, egal welchen Ausgang er nehmen wird. Mal Charakter beweisen, wenn es auch in dieser Branche nicht üblich ist, warum immer das tun was die anderen tun. Tut mir leid, aber dieser Verein ist nicht bereit dazu zu lernen.

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