Fußball: Business mit allen Konsequenzen

Der Fußball ist schon lange Teil einer umfänglichen gesellschaftlichen Kritik. Der Profi-Fußball hat sich schon lange von der Realität entfernt. Nur wer diesen Sport auf sein wesentliches, das Spiel an sich, reduziert, kann dieses Sport noch lieben und verfolgen. Doch Jahr für Jahr fällt es schwerer, die Begleitumstände zu ignorieren bzw. zu akzeptieren.

Ich möchte jetzt keinen Aufsatz darüber schreiben, wann der Profi-Fußball nachhaltigen Schaden genommen hat. Das System Fußball hat sich aber schon lange verselbstständigt.

Hans-Joachim Watzke, Dortmunds Geschäftsführer sagte bei Sky: „Wenn wir die nächsten Monate nicht mehr spielen, dann säuft die ganze Bundesliga ab. Dann wird es die in der Form nicht mehr geben, wie wir sie gekannt haben.“ Sollte die Bundesliga fortgesetzt werden, überweisen die Fernsehanstalten auch die noch ausstehenden 300 Millionen an Fernsehgeld. Sollte die Bundesliga nicht zu Ende geführt werden, würden also wohl einige Vereine in die Insolvenz rutschen.

Der Fußball versteht sich gerne als Geschäft (Business). Mit diesem „Geschäftszweck“, Geld zu verdienen, werden Testspielreisen in die Volksrepublik China oder in die Vereinigten Staaten erklärt. Das Business fliegt auch nach Katar ins Trainingslager, wohlwissend um die Menschenrechtsumstände. Das Business vergibt auch Fußball-Weltmeisterschaften nach Katar. Die spanische La Liga, wollte bereits ein Ligaspiel in die Vereinigten Staaten auslagern. Die Italiener haben ihr Supercup-Finale schon in den Nahen Osten ausgelagert. Die Beispiele sind lange. In Deutschland hat der Kommerz schon lange Besitz über den Fußball ergriffen. Aber wir sind bei ein paar Punkten immer noch eine kleine Oase, zwischen den von geldverseuchten Superligen in Spanien und England.

Wenigstens haben wir noch einigermaßen erschwingliche Ticketpreise, Fußball kann noch im Free-TV geguckt werden (wenn auch nur Zusammenfassungen) und es gibt keine zehn verschiedenen Anstoßzeiten, wie in Spanien.

Natürlich ist die Haupteinnahmequelle eines Fußballklubs, eine bessere Bezeichnung wäre wohl „Firma“ der Fußball. Heißt: TV-Gelder, Ticketeinnahmen, Sponsoren, Fanartikel-Verkauf usw. Fallen diese Einnahmen weg hat die Firma, deren Zweck ist Fußballspiele einen Rahmen zu geben, ein großes Problem. Aber jetzt kommt ein Satz, den mein Volkswirtschaftslehre-Dozent bei der Fortbildung oft gesagt hat: „Kommt drauf an!“

Denn wenn eine „Firma“ seriös gewirtschaftet hat, kommt sie durch diese Krise und übersteht die spielbetriebsfreie Zeit. Hier kommt es vor allem auf das Eigenkapital an und die Verschuldungsquote. Steht der Verein groß in der Kreide, bekommt er Probleme. Aber auch hier kommt es darauf an. Stecken Stadionschulden in Form eines Darlehens dahinter, ist das unproblematisch. Problematisch wird es eher, wenn der Klub das Geld mit den Händen zum Fenster hinaus geworfen hat und so einen Schuldenberg erzeugt hat. Und dann wird es schwierig, dass Banken diese „Firmen“ absichern und sie mit „flüssigen Mitteln“ versorgen. Denn wer gibt schon jemand Geld, wenn er schlechte Aussichten darauf hat, es wiederzusehen.

Der Fußball sieht sich gerne als Business, also muss er sich auch so bewerten lassen. Vor allem in der Krise. Wer viel Geld für teure Spieler ausgibt und dann nicht den durchschlagenden Erfolg hat, hat vom unternehmerischen Risiko Gebrauch gemacht. Unternehmerisches Risiko bedeutet auch, dass Entscheidungen floppen. In der freien Wirtschaft werden in der Regel die Manager dann ausgetauscht, wenn Geld verbrannt wird. Natürlich lässt sich Erfolg im Fußball nicht immer mit Geld kaufen. Die Kunst ist zu widerstehen, vom Apfel des mit Geld erkauften Erfolgs zu beißen. Denn wenn die Investitionen nicht fruchten, kann das sehr teuer werden.

Es gibt mittlerweile genügend Vereine die wackelig auf den Beinen dastehen. Aber auch genügend die mit Geduld, Erfolge erzielen konnte, auch wenn sie keine Titel gewannen. Vereine die gut ausgebildete Spieler abgeben müssen, um dann Geld in Infrastruktur und in den Kader investieren zu können. Und natürlich auch um Rücklagen zu bilden. Ein Verein in Deutschland sagt bereits seit Jahren, der Abstieg in die zweite Liga ist in der Etatplanung immer mit berücksichtigt. Denn auch auf Misserfolg muss sich ein Management eben vorbereiten. Andere Vereine feierten überraschende Erfolge mit einer einmaligen Europapokal-Teilnahme und wussten gut mit den Erlösen umzugehen.

An der Sonne des Erfolgs sind bereits einige verglüht. Die Beispiele gab es bei Borussia Dortmund in der Vergangenheit, gibt es aber auch bei einigen Vereinen in der Gegenwart. Auch im so „reinen“ Amateurfußball gibt es genügend Beispiele für Vereine, bei denen eine Art Verblendung durch das Geld einsetzte. Und diese Verblendung greift bereits in der Kreis- und Bezirksliga. Irgendwelche private Unternehmer die mit ihren Geld den Verein bis hoch in die Landes- oder Bayernliga hochführen wollen. Die Vorhaben scheitern meistens schnell, da die privaten Investoren irgendwann die Lust an ihren Objekt verlieren und das Geld abziehen. Die Liste der Vereine in meiner Region in Oberbayern ist sehr lang. Doch auch nach etlichen Beispielen, bei denen solche Invents floppten, scheinen einige andere Vereine immer noch nicht daraus lernen zu wollen. Und auch im Amateurfußball gibt es zahlreiche Söldner, selbst in der Kreisliga. Solange das Gehalt passt, streifen sie sich das Trikot egal von welchem Verein über. Die Vereine die größtenteils mit jungen und einheimischen spielen, sind zwar nicht so erfolgreich, aber auch zufrieden. Da ist ein Aufstieg in die Kreis- oder Bezirksliga eine Sensation in der Vereinsgeschichte. Diese Vereine sind zufrieden und stellen die Art von Fußball dar, den wir eigentlich lieben. Denn hier erhält nur der Trainer ein bisschen Geld und die Spieler Fahrtkosten.

1991 titelte die Sportbild: „Die elf Millionäre der Bundesliga.“ Ein Kollege hat mir dieses Heft gezeigt. Heute lacht mal wohl über so eine Schlagzeile.

Der Fußball möchte Business sein. Gut, dann müssen manche Firmen auch damit rechnen dass sie diese spielfreie Zeit nicht überstehen. Das mag bitter sein, ist der Fußball doch ein wichtiges Gut im Land. Doch es gab auch schon genügend traditionsreiche Unternehmen in der freien Wirtschaft, die mit vielen falschen strategischen Entscheidungen und schlechten Managements nach etlichen Jahrzehnten, Pleite gingen. Und an jedem Geschäftszweig hängen Arbeitsplätze und Schicksale von Menschen. Da hat der Fußball kein Alleinstellungsmerkmal, auch wenn er das gerne für sich beansprucht.

Der Fußball gilt als letzter Kit der Gesellschaft. Fußballspiele sind das letzte Lagerfeuer der Nation. Der Fußball droht nun endgültig, sich selbst den Kit aus den Fugen zu kratzen. Ein bisschen Betriebs- und Volkswirtschaft hätten bei dem einen oder anderen Manager jedenfalls nicht geschadet.

Titelbild: Bild von Gerd Altmann auf Pixabay

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