WM 2014: die besten 23

Das Osterwochenende hat wieder Erinnerungen wach werden lassen. Die ARD zeigte das WM-Finale 2014. Auch DAZN ist voll mit alten Bundesliga-Klassikern und legendären Meisterschaftskämpfen. Das vertröstet zwar, macht aber auch wieder viel Bock auf Fußball. Bock der nicht befriedigt kann. Aber dann schwelgen wir halt an Erinnerungen.

Der WM-Sommer 2014. Deutschland holt den vierten WM-Titel und gewinnt dabei in Maracana ein enges und unfassbar spannendes Endspiel. Dieses Re-Live hat wieder viele Erinnerungen herbeigerufen. Die Erinnerung, als ich fluchend von der Couch aufsprang und über die Argentinier geschimpft habe. Denn Argentinien machte in der Verlängerung das, wofür es bekannt war, wenn spielerisch nichts mehr ging: treten. Und so mähten zwei Argentinier, Bastian Schweinsteiger in der Verlängerung um. Und Kommentar Tom Bartels wunderte sich zu Recht, warum Argentinien noch mit elf Mann auf dem Platz stand. Aber der Reihe nach.

Ich fungierte als Gastgeber für meine Freunde. Ich bestellte Pizza in Schrobenhausen. Ich fuhr zur entsprechenden Pizzeria. Dachte ich. Als ich die Pizza abholen wollte, wurde mir gesagt, sie hätten keine Bestellung vorliegen. Ich erläuterte nochmal, was ich bestellt hatte und wann. Und dann wurde die Pizza im Eilverfahren zubereitet. Mein Handy lag zu diesem Zeitpunkt zuhause. Wozu sollte ich es auch brauchen? Bis mir dämmerte, verdammt. Ich habe wohl eine andere Pizzeria angerufen. Und irgendwo in Schrobenhausen wartete eine Familienpizza vergeblich auf ihre Abholung. Wer sie am Ende dann auch vertilgt hat, dem möchte ich sagen: hoffentlich hat sie geschmeckt.

Das Endspiel begann gleich mit einer Schockmeldung. Sami Khedira hatte sich beim Aufwärmen verletzt, für ihn kam Christoph Kramer. Khedira hätte sich auch auf den Platz quälen können. Wer verzichtet gerne unmittelbar vor Anpfiff auf das größte Spiel seines Lebens. Aber, er stellte sich in Dienst des Teams. Und jenes „Team“ sollte 120 Minuten später den WM-Pokal in den Nachthimmel von Rio hieven.

Von Anfang war es ein enges Spiel. Optisch war zumindest Argentinien im ersten Durchgang leicht überlegen. Doch der zweifache Weltmeister tappte Gott sei Dank immer wieder in die Abseitsfalle. Und einer musste dann schon früh wieder vom Feld. Jener Kramer, wurde von einem Gegenspieler mit der Schulter weggecheckt und soll dann den Schiedsrichter gefragt haben: „Ob das hier das WM-Finale ist.“

Andre Schürrle ersetzte Kramer und brachte aber auch Impulse ins Spiel. Das Spiel blieb eng. Chancen hüben wie drüben. Das Spiel packte einen. Aber auch wohlwissend, wer das erste Tor schießt wird wohl Weltmeister werden.

In der Verlängerung ging dann der Abnutzungskampf in eine neue Runde. Argentinien grätschte, Deutschland kämpfte und versuchte was ging. Allen voran einer kämpfte was das Zeug hielt: Bastian Schweinsteiger. Er und Philipp Lahm waren als die ungekrönte deutsche goldene Generation immer bezeichnet worden. Sie hatten bis dato alles gewonnen. Nur einen Titel mit der Nationalmannschaft holten sie nie. WM-Dritter 2006 und 2010 und Vize-Europameister 2008. Das war bis dato ehrenvoll. Aber es wird sich nur an Weltmeister erinnert. 

Dieses Schicksal wurde auch den Niederlagen teil. 1974 und 1978 verloren die Niederländer, damals eines der besten Teams der Welt ihre WM-Endspiele gegen Deutschland und Argentinien. 2010 marschierte Oranje wieder ins Endspiel. Am Ende gewann aber Spanien in Johannesburg den Titel. 

Und man merkte insbesondere bei Lahm und Schweinsteige, den unbedingten Willen. Schweinsteiger malträtiert von den Gegenspielern, mit Schmerzen und Cut stand immer und immer wieder auf. Auch das war ein Zeichen an die Mannschaft.

Und dann folgte dieses Solo. Schürrle über links und dann vollende Götze mit einem Traumtor und brachte Deutschland in Führung. Jedem war klar, dass war das Tor zum Titel. Ich stand auf und schrie auf. Das muss es doch sein. Umso schlimmer waren dann die restlichen Spielminuten, die sich wie eine Ewigkeit anfühlten. Und dann war noch dieser Freistoß. Messi legte sich die Kugel zurecht. Ich glaube es waren 20 – 25 Meter. Eine Distanz von der das Wunderkind auch schon getroffen hatte. Stille, Bangen. Hievt Messi den Ball nochmal ins Netz und rettet Argentinien ins Elfmeterschießen? Nein, er schoss deutlich drüber. Danach war es vorbei, Deutschland war Weltmeister. Messi einer der besten Fußballer aller Zeiten wird in der Nationalmannschaft wohl ungekrönt bleiben. 

Das Endspiel war eng und vor allem spannend. Es war nicht unbedingt ein taktisch geprägtes Endspiel. Beide Teams versuchten offensiv für die Entscheidung zu sorgen. Doch richtig aus der Reserve traute sich dann doch keiner. Wohlwissend, Deutschland gewann im Halbfinale 7:1 gegen Brasilien und Argentinien verfügte mit Messi und Higuian über klasse Stürmer. Am Ende war es aber auch wieder ein Sieg des Teams.

Thomas Müller sagte, wir hatten „die besten 23.“ Genau das war das Geheimnis. Und Deutschland steigerte sich von Runde zu Runde. Man erinnere sich noch an das Zitter-Achtelfinale gegen Algerien. Neuer grätschte heroisch Bälle ab. Gegen Frankreich gewann man schmucklos durch einen Hummels-Kopfball und einen Stahlarm von Neuer. Und das Halbfinale war historisch. Doch was wäre dieses Halbfinale wert gewesen, wenn man am Ende nur Vize-Weltmeister geworden wäre?

Und andererseits war Deutschland einfach an der Reihe. Nach den guten WM-Turnieren 2006 und 2010 und den EM-Teilnahmen 2008 und 2012, fehlte immer lediglich der letzte Schritt zum großen Ziel. Diesen Schritt ging das Team. Und man merkte auch, dass das 7:1 richtig eingeordnet wurde. Das DFB-Team ging nicht mit einer überheblichen Haltung auf den Platz, sondern mit Souveränität und Selbstsicherheit. Aber vor allem mit grenzenlosen Willen! Auf Deutschland war bis auf wenige Ausnahmen stets Verlass bei WM-Turnieren. Nicht umsonst hat sich die DFB-Elf den Namen als „Turnier-Mannschaft“ erspielt. Ich hoffe, dass wir auf diesen Pfad wieder zurückkommen und das Team dieses Land wieder begeistert. Aber nicht nur mit erfolgreichen Fußball, sondern einfach als Einheit. Eine Einheit die ein Ziel hat, dem sich alle unterordnen. 

Und da es der erste deutsche WM-Sieg ist, den ich miterlebt habe, wird er mir für immer in Erinnerung bleiben. Es lohnt sich immer wieder die Verlängerung anzuschauen und in Erinnerungen an diese Nacht in Rio zu schwelgen.

Und das bringt mich dazu, euch einen Text vom Kollegen Catenaccio07 zu empfehlen. Er erlebte die WM 1990 sehr intensiv mit und schreibt über den WM-Sommer in Italia.

https://raul66as.wordpress.com/2020/04/12/diegos-traenen-lothars-triumph-und-gianna-nanini/

2 Kommentare zu „WM 2014: die besten 23

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s