Gästeblock: „…euer letzter Trumpf namens (M)Oral…“

Ralf Panzer, Lilien-Fan und Autor des Buches „Die Blüten der Lilien“ (Verlag: Agon) spricht vor unserem hoffentlich vorletzten Heimspiel über den fliegenden Holland, das Böllenfalltor und die Saison der Lilien.
By the way: Der FC Ingolstadt 04 hat gegen Darmstadt zuhause noch nie ein Spiel verloren (zwei Remis, drei Siege). In insgesamt elf Partien trennten sich beide Teams sechsmal Remis. Insgesamt viermal ging die Partie 2:2 aus und zuletzt zweimal 1:1. In jedem Spiel fielen Tore.

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Besonders die Heimsiege gegen die Lilien haben sich eingebrannt. 3:1 gewann der FCI in seiner Bundesliga-Premieren-Saison das Aufsteiger-Duell. Robert Bauer (mittlerweile bei Nürnberg) erzielte ein sehenswertes Tor aus 18 Metern. Der 3:2-Sieg in der Abstiegssaison war ein offener Schlagabtausch, bei der FCI seine 9-Punkte-Woche krönte. Beim 3:0-Heimsieg der vergangenen Saison zeigte der FCI eine berauschende Offensivleistung.

Beim Heimspiel am Sonntag geht es für den FCI vor allem darum zu gewinnen und sich so die Spiele 35 und 36 zu sichern.

Ralf, ihr seid gesichert, wie zufrieden bist du mit dem Saisonverlauf deiner Lilien?
Wenn man sich die Aussage des Vereins zu Saisonbeginn anschaut, eine solide Saison ohne Abstiegssorgen zu spielen, dann müsste man mit dem frühzeitigen Klassenerhalt eigentlich sehr zufrieden sein. Zudem besteht ja noch die Möglichkeit einen einstelligen Tabellenplatz zu belegen, was auch gleichbedeutend mit mehr Fernsehgeldern ist.
Dennoch war diese Saison nervenaufreibend für jeden 98er. Insbesondere der negative Lauf der Lilien von Mitte November bis Mitte Februar, wo man von 30 möglichen Punkten nur 6 holte, ließ Böses erahnen. Peu à peu schlidderten wir Richtung Abstiegszone und nur dank den Ergebnissen der Abstiegsaspiranten hielten wir ein kleines Punktepölsterchen. Wir schwammen in dieser Phase ein bisschen, wie ein Korken auf dem Wasser.

Zur Winterpause ging dann auch noch völlig überraschend unser Kapitän und Leitwolf Aytac Sulu in die dritte türkische Liga zu Samsunspor. Okay, seine Leistung war nicht mehr die, welche er noch zu Bundesliga-Zeiten zeigte, aber als Leader und Wortführer auf dem Platz, tat mir sein Abschied schon weh. Für mich ein Abschied von jetzt auf gleich, irgendwie ein Abschied durch die Hintertür. Das hatte für mich irgendein „Geschmäckle“, ohne allerdings nähere Hintergründe zu kennen.

Überzeugend wurde also nicht zwingend gespielt, man hatte keinen Plan B in der Hinterhand, immer nur lange Bälle und die Resultate blieben aus, was dann letztendlich auch Ende Februar zum Trainerwechsel von Dirk Schuster zu Dimitrios Grammozis führte. Aus meiner Sicht ein notwendiger Schritt, denn seitdem agiert der SV 98 wieder homogener, mutiger und man sieht wieder einen Ansatz von Spielfreude und Selbstbewusstsein. Das schlug sich dann auch in den Ergebnissen nieder, wobei zugegebenermaßen auch ein großes Quäntchen Glück dabei war.

Wenn Du mich konkret nach einer Note befragen würdest, wie die Saison zu beurteilen ist, würde ich eine 3 geben.

 

Wenn Dirk Schuster also eines Tages wieder mal ans Bölle kommen sollte, dann wohl nur als Gästetrainer.

Wann kommt Dirk Schuster wieder ans Böllenfalltor?
Man soll zwar niemals nie sagen, aber ich behaupte, ihn sehen wir hier nicht wieder als Lilien-Trainer. Aber ihr habt bestimmt auch nie gedacht, dass Thomas Oral noch einmal euer Coach werden würde… 😉

Wenn man einen Trainer wie Dirk Schuster holt, weiß man was man bekommt. Eine defensiv ausgelegte Spielweise mit Offensivaktionen, die zumeist aus langgeschlagenen Bällen entstehen oder auf Standards ausgelegt sind. Als wir letzte Saison bis zuletzt im Abstiegskampf standen und uns erst am letzten Spieltag retteten, war das genau das richtige Konzept, was Dirk Schuster angewandt hat. Hier ein Pünktchen und dort eins, den Gegner kommen lassen und selbst reagieren – das reichte letztendlich zum Ligaverbleib.

Dass ein Dirk Schuster aber nicht in der Lage gewesen ist in der Folge eine Mannschaft und seinen eigenen Stil weiter zu entwickeln, wurde ihm letztlich zum sportlichen Verhängnis. Darmstadt war unter seiner Regie zu leicht auszurechnen und dementsprechend brauchten sich gegnerische Teams kaum Sorgen zu machen, wie gegen uns gespielt werden sollte. Schuster hatte auch keinen Plan B in der Hinterhand und keine Überraschungen parat. Irgendwann verschleißt sich so ein System dann eben auch und der Erfolg bleibt aus.
Wenn Dirk Schuster also eines Tages wieder mal ans Bölle kommen sollte, dann wohl nur als Gästetrainer.

 

Darmstadt hat zwei 2:1-Siegen Köln und Union Berlin in die Suppe gespuckt. Was macht dir Hoffnung, dass die Lilien am Sonntag in Ingolstadt ihren ersten Auswärtssieg feiern?
Einspruch euer Ehren – wir haben schon viermal in dieser Runde gewonnen, u.a. auch beim HSV. Aber gut, dass kann man nicht als Auswärtssieg werten, denn beim HSV gewinnt ja mittlerweile fast jeder 😉

Spaß beiseite: Ich bin mir nicht so sicher, ob es zu einem weiteren Dreier bei euch reichen wird. Klar, wir können befreit ausspielen, da es für uns um nichts mehr geht. Aber genau da könnte auch die Gefahr liegen, dass einige Prozent an Konzentration und Willen zum Gewinnen-Wollen fehlen. Ihr hingegen habt momentan den positiven Lauf, kämpft um den letzten Strohhalm – und landet mit einem kleinen bisschen Glück sogar noch über dem Strich. Und selbst wenn es „nur“ zum Relegationsplatz 16 reichen sollte, so habt ihr doch Moral bewiesen in den letzten Spielen. Ich denke genau diese Gier, die ihr derzeit an den Tag legt, wird ausschlaggebend sein. Daher lasse ich mich überraschen und schaue das Spiel relativ entspannt an.

 

Ich bin mir aber nicht ganz so sicher, ob man in Ingolstadt mit einer Saison im Mittelmaß zufrieden wäre.

 

Die Schanzer sind mit hohen Ambitionen in die Saison gestartet. Statt Verfolgerrennen um den Aufstieg, fand sich der FCI im tiefen Abstiegskampf wieder? Wie nahm man in Darmstadt diese Entwicklung war?
Ich für meinen Teil fand es überraschend, dass die Schanzer nicht schon früher den Turnaround geschafft haben. Dass man zu Saisonbeginn immer einmal hinten reinrutschen kann, ist nicht zwingend etwas Ungewöhnliches. Aber bei der vorhandenen Qualität im Kader des FCI war ich schon verwundert, dass man sich nicht von den Abstiegsrängen lösen konnte. Und wenn erst einmal eine Eigendynamik mit einer Reihe negativer Ergebnisse um sich greift, dann gerät man eben immer tiefer in eine Spirale und den Abwärtstrend. Dazu kamen noch Nebengeräusche wie Trainer- und Vorstandswechsel, die Personalie Matip, etc. Etwas mehr Ruhe hätte vielleicht schon vorzeitig erfolgreiche Zeiten einläuten können, aber wie es scheint, sticht euer letzter Trumpf namens (M)Oral.

 

Bekommt der FCI seine Spiele 35 und 36, oder spielt der FCI am Sonntag sein letztes Heimspiel dieser Saison?
Ich denke, dass letztendlich die Relegation für Ingolstadt herausspringt und dann in zwei Partien gegen den SV Wehen Wiesbaden um den letzten Platz im Unterhaus gespielt wird. Sandhausen und Fürth sind zwar theoretisch noch abzufangen, aber beide werden den einen notwendigen Zähler wohl noch einfahren.

 

Der FCI und Darmstadt stiegen zusammen in die 1. Bundesliga auf, hielten dort die Klasse und stiegen zusammen wieder ab. Wenn ich dir sage, dass beide Klubs kommende Saison eine ruhige Saison spielen, würdest du mir das unterschreiben?
Ja, das unterschreibe ich Dir umgehend. Für meine Lilien wäre es wichtig, gerade jetzt, wo das Stadion am Böllenfalltor umgebaut wird, den sportlichen Grundstein für viele schöne Zweitligajahre zu legen. Ich kann mich mit einer ruhigen Saison also mehr als anfreunden. Eine Platzierung zwischen Rang 7 bis 12 wäre wunderbar.
Ich bin mir aber nicht ganz so sicher, ob man in Ingolstadt mit einer Saison im Mittelmaß zufrieden wäre. Wobei, nach der jetzigen wäre man das wahrscheinlich…

 

Und macht Fabian Holland an Sonntag wieder den fliegen Holländer?
Ich weiß nicht, ob Fabi Opern von Richard Wagner mag…?! 😉
Zugegeben, das vermeintliche Foulspiel an unserem Kapitän im Hinspiel war nie und nimmer ein Strafstoß. Generell ist er kein Schwalbenkönig und ich denke nicht, dass die Situation „einstudiert“ war. So etwas entsteht zumeist ja aus der Spielsituation und im „Affekt“. Das soll sicherlich keine Entschuldigung sein, aber jeder Verein sitzt wahrscheinlich irgendwann einmal im Glashaus, denn auch dort werden (un)beabsichtigte Schwalben vorkommen. Aber in der nächsten Saison wird ja alles besser, dem Videobeweis sei Dank (*hüstel*). Dann unterhalten Du und ich uns wahrscheinlich ausführlich über „vorsätzliche“ Handspiele im Strafraum…

 

Hand aufs Lilien-Herz. FCI – Darmstadt. Wie lautet dein Tipp für Sonntag?
Mit Tipps liege ich ja generell nie so ganz richtig. Zur Saison 2017/18 sah ich euch ja als Zweitligameister direkt wiederaufsteigen. Ich denke an einem guten Tag, wird euch insbesondere unser überragende Keeper Daniel Heuer Fernandes den Sieg entreißen. Und in der Hoffnung, dass er diesen Schokoladentag erwischt, lege ich mich auf ein torloses Remis fest.

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