Mit einem 2:1 gegen die USA in den USA geht die deutsche Fußball-Nationalmannschaft nun in die Vorbereitung fürs erste Gruppenspiel gegen Curacao (Houston, Sonntag, 19:00 Uhr, deutsche Ortszeit). Wer in den Sozialen Medien bis dato die Diskussionen rundum das DFB-Team liest, kommt zur Erkenntnis: es ist alles scheiße. So wie immer. Das eigene Team sowie die Entscheidungen des Bundestrainers schlecht zu reden ist bei uns Volkssport. Deswegen wäre es auch komisch, wenn eine leichte Euphorie aufkeimen würde.
Keine Frage die glorreichen Zeiten der 1980er-Jahre oder zwischen 2006 – 2016 sind längst vorbei. Aber das Erreichen des EM-Viertelfinale 2024 machen durchaus Hoffnung, dass das eine gute WM werden kann. Wobei gut natürlich im Auge des Betrachters liegt. Der eine oder andere würde sich ja erfreuen, wenn das DFB-Team abermals jäh scheitert. Vielleicht sollten Personen einfach den Fernseher gar nicht einschalten. Wer Weltuntergangsstimmung toll findet, kann auch einfach die Nachrichten lesen oder dem US-Präsidenten beim Reden zuhören.

Eine vernünftige Erwartung hat Weltmeister Bastian Schweinsteiger formuliert. Nachdem Viertelfinale bei der EM sollte das Halbfinale als nächster Schritt ein ambitioniertes aber keinesfalls übertriebenes Ziel sein. Wer Weltmeisterschaften verfolgt weiß, der Weg ins Finale ist steinig. Es gewann selten die Mannschaft die den schönsten Fußball spielte den Titel. Spanien gewann 2010 jedes seiner Ko-Runden-Spiele mit 1:0, inklusive Finale. Und welche Kaliber auf dem Weg ins Finale kommen ist ebenfalls zweitrangig. Es ist eine alte Phrase. Aber wer die beste Mannschaft der Welt werden möchte, muss auf dem Weg eben jeden schlagen. Deutschland erwischte 2014 mit Frankreich und Brasilien auch keine Leichtgewichte. 2010 in Südafrika kam noch dicker. Achtelfinale: England, Viertelfinale: Argentinien, Halbfinale: Spanien. Darum sind die ganzen Rechenspielchen auch völlig obsolet.
Als turmhoher Favorit startet unsere DFB-Elf mit Sicherheit nicht ins Turnier. Doch so überheblich wie 2018 oder 2022 geht die Mannschaft eben auch nichts ins Turnier. Sie weiß um ihre Stärken auch um ihre Schwächen. Und vor allem die erfahrenen Spieler wissen, in einem Turnier steigert man sich. Und natürlich gehört auch ein gewisses Spielglück dazu. Algerien 2014, das hätte auch schief gehen können.
Ich freue mich auf dieses Turnier. Insbesondere auf viele Neulinge. Ob sie die spielerische Attraktivität des Turniers erhöhen werden, wird sich noch zeigen. Aber ich bin trotzdem zuversichtlich, dass die Auftritte unserer Mannschaft für Spaß und Freude sorgen werden. Und für Schimpf und Schande sowieso. Dazu sind wir einfach zu deutsch. Wer aber bereits vorher das DFB-Team gnadenlos totsagt, sollte einfach den Fernseher auslassen und still boykottieren. Denn wenn ich etwas bei einer WM nicht brauche, sind es gnadenlose Pessimisten. Denn davon habe ich tagtäglich schon genug.
In diesem Sinne liebes DFB-Team, viel Glück in den USA, Kanada und Mexiko. Im besten Fall ziert ein fünfter Stern nochmal ein Adidas-Trikot. Im schlechtesten Fall hatten wir alle einfach eine gute Zeit zusammen und wir sind weit gekommen.
