Der Fußball taugt nicht als Vorbild

Es ist mir egal, was ein Fußballspieler isst. Ein Steak für 300 Euro, einen Döner 4,00 Euro oder ein 5-Gänge-Menü für 250 Euro. Es interessiert mich nicht. Es ist seine Privatsphäre. Nur wenn der Spieler seine Privatsphäre öffentlich zur Schau stellt, ist es nicht mehr privat. Der Fall Ribery zeigt vor allem eins: der Fußball taugt nicht als Vorbild. Die Spieler nicht und viele Klubs nicht. Denn der Fußball hat fast nichts mehr mit der Realität zu tun. Ein Beitrag über eine Entfremdung, Gesellschaft, Frust und die Parallelwelt Fußball.

Eine Person des öffentlichen Lebens sollte sich bewusst sein darüber, dass es eben gewisse Dinge gibt, die man besser nicht sagt in der Öffentlichkeit. Ribery weiß oder wusste das nicht. Stattdessen veröffentlichte er eine Hass- und Schimpftirade in den sozialen Medien. Als Reaktion darauf, dass er mit Hasskommentaren übersät wurde, als er ein sündhaft teures mit Blattgold überzogenes Steak bestellte. Wie bereits oben erwähnt interessiert mich der Preis des Steaks nicht. Für einen Normalverdiener sind die Kosten des Steaks absolut irre. Für ihn wohl Taschengeld. Aber um das geht es mir nicht.
Viele sagen, Riberys Reaktion sei ja in Ordnung. Er wurde ja angefeindet. Naja. Ich haue ja auch nicht meinen Kollegen eins in die Fresse, weil er mich kritisiert. Ich fahre auch nicht jemanden mit dem Auto um, weil er mir den Mittelfinger gezeigt hat. Ein Fehlverhalten einerseits, rechtfertigt kein Fehlverhalten andererseits. Eine schwachsinnige Argumentation. Eine Argumentation wie einst auf dem Schulhof. Denn so hat man bei einer Schlägerei auch immer argumentiert. Der andere hat mich ja zuerst gehauen. Im Jugendalter hat man dann im Normalfall schnell kapiert, dass auf eine Watschen, ein Fausthieb vielleicht keine gute Lösung ist.
Nein Riberys Reaktion ist zu verurteilen, sie ist falsch und mega unprofessionell. Selbst der FC Bayern meinte „das ist ja seine Privatsache mit dem Steak.“ Stimmt. Nur wenn er öffentlich macht, ist es eben nicht mehr seine Privatsache. Dann ist es öffentlich, für alle. Die Geldstrafe die er erhalten wird, wird ihm wohl kaum wehtun. Und diese Geldstrafe ist als Sanktion ein Witz.

Wenn sich ein Angestellter eines großen Unternehmens solch eine Reaktion zeigt, wird ihm wahrscheinlich mindestens eine Abmahnung ins Haus flattern. Denn Ribery repräsentiert nicht nur sich selbst, sondern auch seinen Klub. Genauso wie es ein „normaler“ Angestellter eines privaten Unternehmens tut. Aber im Fußball gelten andere Regeln. Die Regel einer Parallelwelt.
Das aber der Klub FC Bayern München eine sehr merkwürdige Ansicht zu Moral hat, ist seit längeren bekannt. Monat für Monat unterstreicht der FC Bayern seine Doppelmoral.
Auf einer Pressekonferenz berufen sich Uli Hoeneß und Karl-Heinz Rummenigge auf das Grundgesetz. „Die Würde des Menschen ist unantastbar.“ Um dann immer wieder eine anstößige und verletzende Wortwahl gegenüber anderen Personen an den Tag zu legen. Die Menschenwürde gilt scheinbar nur für die beiden Granden. Aber nicht für Andere. Egal, Hauptsache mal die Medien für ihre scheinbar in ihren Augen unfaire Berichterstattung kritisieren. Wenn die Beiden andere Personen mit einer vulgären Wortwahl kritisieren, ist das auch nicht ok. Aber noch weniger ok ist es, wenn sich beide moralisch auf das wichtigste und höchste Gesetz des Landes, unsere Verfassung berufen, um dann es mit Füßen zu treten. Aber leider muss man auch sagen, ist Doppelmoral zeigen in unserem Land ja mittlerweile eine richtige Tugend geworden.

Auch das Trainingslager in Katar schlägt in die gleiche Kerbe. Der FC Bayern beruft sich auf die Menschenwürde und fliegt in ein Land in dem die Menschenrechte, sagen wir mal so, kaum geachtet werden. Aber gut, wenn Sponsoren aus dem Land, jährlich Millionen überweisen, kann man über diesen Umstand schon mal hinwegsehen.
Der FC Bayern stellt sich immer als moralische Instanz dar. Er ist aber nicht. Weil er sich an seine eigenen Maßstäbe nicht hält. Das ist falsch und täuschend.

Der Fußball allgemein sieht sich immer als Moralapostel. Der Fußball und seine Sportler sollen Vorbild sein. Der Fußball ist es aber nicht.
Selten bis gar nicht geben Fußballer ein Handspiel oder eine Schwalbe zu. Dann sagen die Verteidiger dieses Verhaltens wieder: ja es geht ja um viel Geld. Man kann es ihnen ja nicht verübeln. Und die anderen machen es ja auch so. Jahrelang steht auf den Trikots bei Wettbewerben auf dem Ärmel „Fairplay“ oder „my game is fairplay.“ Das ich nicht lache. Lars Stindl spielte damals in Ingolstadt den Ball mit der Hand ins Tor. Das ganze Stadion hat es gesehen, alle Spieler. Der Schiedsrichter nicht. Damals gab es auch noch keinen Videobeweis. Aber Lars Stindl hätte als Spielführer auch einfach ein faires Vorbild sein können, wenn er zum Schiedsrichter gesagt hat: „Das war Handspiel. Kein Tor.“ Hat er aber nicht. So wie es alle machen.

Um viel Geld geht es im Fußball. Aber ist Geld die Rechtfertigung für alles? Ist Geld mehr wert als Moral. Leider, ja.

Auch eine Politikerin bekam zuletzt ihr Fett weg. Katharina Schulze, Spitzenkandidaten der Partei Bündnis 90 / Die Grünen und Fraktionsvorsitzende der Partei im Bayerischen Landtag, machte ihren Urlaub in Kalifornien. Mei, wenn die Politikerin davon kein Bild postet, wird es wahrscheinlich nie jemand erfahren. Zumindest nicht die Öffentlichkeit. Sie erntete auch viel Kritik für dieses Bild und ihren Urlaub. Zog sie doch monatelang durch die Lande und sprach von Klimaschutz. Und jeder müsse seinen Beitrag leisten. Sie bucht einen Langstreckenflug. Passt halt nicht zusammen. Doppel-Moral. Eine konsequente Haltung sieht anders aus. Denn ihre Handlung unterreicht nicht ihre Haltung. Dass Hasskommentare zu verurteilen sind, steht ja außer Frage.
Es ist mittlerweile schwer diesen Fußball zu ertragen. Salami-Anstoßzeiten, höchst fragwürdige Turniervergaben, Korruption, abartige Gehälter usw. Man muss diesen Sport als solchen schon sehr lieben, um ihn weiter zu verfolgen zu wollen. Wenn man sich auf das Spiel als solches besinnt, auf die tollen Momente die der Fußball einen bescheren kann. Wenn man sich auf großartige Teamleistungen besinnt, Gemeinschaft, Freundschaft und Support. Ja, dann kann man es ertragen und man kann den Fußball noch lieben. Dafür muss man aber auch sehr viele erschwerende Begleiterscheinungen, dieses Geschäfts ignorieren. Das wird immer schwerer.

Und um auf einen Kommentar von einem Follower einzugehen. Als Vorbilder sollten wir uns jene suchen, die welche sind oder sein können. Kollegen, Freunde und unsere Eltern. Der Fußball und viele Personen aus diesem Sport, sind keine Vorbilder. Aber sie sollten sich auch nicht darauf berufen, dass sie welche wären, das würde es leichter machen. Aber vor allem eins: weniger verlogener und ehrlicher.
Bilder: Pixaby

2 Gedanken zu “Der Fußball taugt nicht als Vorbild

  1. Bin von deinem Kommentar mehr als beeindruckt, habe heute rein zufällig in der Arbeit, nur so für mich, zum selbigen Thema meine Gedanken zu Papier gebracht. Ein persönliches Gespräch, einfach so zum Gedankenaustausch mit dir, nicht nur der große Fußball, stelle ich mir sehr reizvoll vor.

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  2. D’accord. Vorbilder oder Idole sollten Menschen mit einer tatsächlichen Lebensleitung sein. Mandela, Muhammad Ali, meinetwegen Freddie Mercury. Aber ganz sicher nicht ein tumber Balltreter.

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