Fünf Punkte zu viel, aber noch nicht Aufstiegsfavorit

 

Der 1. FC Nürnberg war bisher immer sowas wie der Gegner des Schreckens. Die Bilanz war miserabel. Doch Stefan Leitl kündigte bereits  vor dem Spiel einen Sieg an. Seine Mannschaft und er hielten Wort. In einer Partie die vor allem in der ersten Halbzeit ein attraktives Zweitliga-Spiel war, setzte sich der FCI am Ende verdient mit 2:1 durch. Die Schanzer haben einen weiteren Charakter-Test bestanden. Doch weitere Prüfsteine folgen. Ist der FCI nun wieder ein Aufstiegsfavorit?

Stefan Leitl antwortete selbstbewusst als er gefragt wurde, was er zum Fünf-Punkte-Rückstand auf Platz drei sage. „Fünf Punkte zuviel.“ Mehr sagte er nicht dazu. Kein Wort von Aufstieg oder einer neuen Favoritenrolle. Stefan Leitl weiß was seine Mannschaft kann. Und sie zeigt es ja mittlerweile auch auf dem Platz. Sechs Spiele ungeschlagen stehen in der Bilanz der Schanzer. Durch den Sieg schoben sich die Schanzer auf Platz fünf der Tabelle. Der Rückstand auf Platz drei beträgt fünf Punkte und die nächsten Gegner kommen aus dem Spitzenduo: Tabellenführer Fortuna Düsseldorf und Holstein Kiel.

Im Spiel gegen Nürnberg sah man wieder viel Sachen die beim FCI gut laufen. Nachdem die Partie in der ersten Viertel Stunde vor sich plätscherte (sie sollte es auch in der zweiten Halbzeit tun), zeigte der FCI ein aggressives Gegenpressing. Mit teilweise drei Spielern attackierten die Ingolstädter, die Nürnberg-Spieler. Der FCN kam so kaum zu Entfaltung und wurde zu Fehlern gezwungen. Sonny Kittel wurde in Schach gehalten, er arbeitete aber viel mit in der Defensive. Doch gut, dass die Schanzer mit Thomas Pledl noch einen aufzubieten haben, der die Verteidiger schwindlig spielen kann. Das tat er auch. Alle Aktionen vorne liefen über Pledl. Und sein Zuckerpass fand dann auch Kutschke, der nur die Fußspitze brauchte über sein erstes Tor aus dem Spiel heraus für die Schanzer zu erzielen. Nürnbergs Verteidigung sah richtig schlecht aus. Gleich vier Spieler standen Pate. Fehlte nur noch der Rote Teppich. Der FCI blieb am Drücker, zwingendes war aber nicht dabei.

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Pledl serviert für Kutschke. Das erste Tor aus dem Spiel heraus für den Neuzugang aus Dresden. Alle Bilder: Roland Geier

 

Beim 1:1 zeigte sich dann wieder, was nicht so gut läuft beim FCI. Immer wieder, dann doch die Defensivarbeit. Der Franke Schröck lieferte mit seinem Fehlpass die Vorlage fürs Nürnbergs Ausgleich. Beim Abschluss von Teuchert zeigten Levels und Cohen kein gutes Stellungsspiel. Allerdings kam Teuchert auch aus dem Rückraum angerauscht. Nyland war ohne Chance.

Zu Beginn der zweiten Hälfte war die Luft raus. Nürnberg wollte nicht, Ingolstadt konnte nicht. Die Schanzer spielten  sich in Nürnbergs Hälfte fest. Doch der Club stand gut. Es fehlte dem FCI auch ein bisschen die Fantasie Nürnbergs Defensivverbund aufzubrechen. Und dann wachte das Spiel doch wieder auf. Teucherts Schuss aus spitzen Winkel knallte am Kasten vorbei. Man konnte das Gefühl gewinnen, vielleicht passiert im Max-Morlock-Stadion  doch noch was. Und dann schlug wieder die Zeit einer wilden Schlussphase. Ähnlich wie in Bielefeld, hätte das Spiel eine negative Wendung für den FCI nehmen können. Ein langer Hafer fand Ishak, Matip verschätzte sich und Nyland wehrte die Kugel irgendwie ab. Vor einigen Wochen und Monaten wäre das Ding vielleicht reingegangen. Auch eine positive Entwicklung, Nyland wirkt stabiler und gestärkter. Auch seine Spieleröffnung wirkt besser und reifer. Vor einigen Wochen hätte er die Bälle noch qualifiziert über die Außenlinie geklopft.

„…Es sagt keiner, aber jeder will es…“

Dario Lezcano kam und war dann der Mann für die Schlagzeilen. Nürnbergs Kirschbaum ließ einen Rückpass zu weit tropfen, Lezcano attackierte und Kirschbaum grätschte in Gattuso-Manier. Nur traf er halt nicht den Ball, sondern nur den Stürmer. Elfmeter und Lezcano führte selbst aus. Der Elfmeter grenzwertig in seiner Ausführung brachte den FCI in Führung. Die Diskussion nach Regelkonform oder nicht, mache ich jetzt hier nicht auf. Mei dann hätte er halt den wiederholten Elfmeter reingemacht. Danach passierte nicht mehr viel.

Der FCI gewann sein erstes Spiel gegen Nürnberg. Fünf Anläufe hatte es bedurft. Die Länderspielpause tut jetzt gut aber weckt auch große Vorfreude auf die kommenden Festspielwochen. Und das schöne ist auch, man weiß es geht noch was beim Team. Tobias Schröck war der schwächste Mann auf dem Platz. Der defensive Mittelfeldspieler muss mehr zeigen, sonst steht wieder Max Christiansen in der Startelf. Eine weitere Erkenntnis war, dass Christian Träsch wohl besser im zentralen Mittelfeld aufgehoben ist, als auf der Außenverteidigerposition. Alfredo Morales wirbelte und sorgte für Unruhe. Tobias Levels zeigte ein starkes Zweikampfverhalten und eine tolle Spieleröffnung. Pledl war eindeutig der beste Mann auf dem Platz. Kittel wurde vom Nürnberger Zauberdefensivumhang nahezu unsichtbar in der Offensive gemacht. Almog Cohen kann auch noch mehr drauflegen und Stefan Kutschke, macht das was er tun soll: Tore schießen.

„…Die Wichtigkeit des Nürnberger Sieges wird sich erst in drei Wochen bewerten lassen…“

Die Entwicklungen sind positiv. Der FCI hat sich aus dem tiefsten Keller wieder nach oben gespielt. Und dort stehen die Schanzer auch vollkommen zurecht. Das A-Wort nimmt noch keiner in den Mund. Und das ist auch gut so. Jetzt vom Aufstieg zu sprechen, würde nur den Druck auf die Mannschaft erhöhen und auch im Umfeld die Erwartungen schüren. Lieber so. Still hoffen, sich freuen und dann einfach den Erfolg genießen. Es sagt keiner, aber jeder will es. Die Wichtigkeit des Nürnberger Sieges wird sich erst in drei Wochen bewerten lassen. Dann wenn, die Partien gegen Düsseldorf und Kiel gespielt sind. Der Club hat übrigens die gleichen Gegner. Also für beide Vereine, richtungsweisende und entscheidende Wochen.

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