Das ist dann nicht mehr meine Party. WM in Katar und WM-Aufstockung

Ich bin einer von den Fan-Typen die vor Fußball-Weltmeisterschaften, sich immer das neue DFB-Trikot kaufen, die Sonderhefte besorgt von 11 Freunde und dem Kicker, versucht so viele Spiele wie möglich zu gucken, an Tippspielen teilnimmt und eifrig die WM-Geschichte studiert. Nicht umsonst steht bei mir im Bücher-Regal eine WM-Buch-Serie von 1930 – 2006. Alle Spiele, alle Tore, alle Titelträger. Ich löchere meinen Großvater der alle WMs ab 1954 bewusst miterlebt hat, nach großen Spielen oder Sachen die ihm besonders in Erinnerung geblieben sind.

Ich erlebe Weltmeisterschaften aktiv erst so richtig seit 2002 mit. Ich kann mich noch erinnern, dass ich als kleiner Bub das WM-Finale Deutschland – Brasilien im Fernsehen angeschaut habe. Und dann furchtbar traurig war, das Deutschland nicht Weltmeister wurde. Mir wurde immer gesagt, ein Finaleinzug ist auch super. Aber damals war mir schon bewusst, nur Weltmeister bleiben in Erinnerung und werden zu Helden. Während für die Finalisten und Vize-Weltmeister zwar ein Eintrag in den Geschichtsbüchern sicher ist, aber mehr auch nicht. Die Niederlande waren dreimal im Endspiel (1974, 1978 und 2010) – aber einen Titel haben sie auch nicht gewonnen. Vize-Weltmeister schreibt sich kein Verband gerne auf den Briefkopf. Ebenso werden die Karrieren von Messi und Ronaldo bei ihren Nationalteams wahrscheinlich ungekrönt bleiben. Beide konnten bisher mit ihrem Team noch nicht Weltmeister werden. 2014 war Argentinien mit dem Finaleinzug gegen Deutschland, sehr nahe dran. Portugal scheiterte 2006 im Halbfinale.

„Weltmeisterschaften verwandeln auch die Gastgeberländer in große Partylandschaften.“

Doch um das soll es gar nicht gehen. Weltmeisterschaften sind große Fußballfeste. In Deutschland verfolgen Millionen Menschen die Spiele. Zuhause vor dem Fernseher im kleinen Kreis, auf Fanmeilen, in Biergärten oder über das Radio. WMs packen alle. Alle stehen hinter ihrem DFB-Team. Mehr als je zuvor. Sind die Ergebnisse der DFB-Elf seit 2002 doch wirklich klasse. 2002 Vize-Weltmeister, 2006 und 2010 Dritter (Halbfinale) und 2014 schließlich endlich der vierte WM-Titel nach 1954, 1974 und 1990.

„Der FIFA geht es gar nicht mehr darum ob ein Land den Fußball liebt,…“

Weltmeisterschaften verwandeln auch die Gastgeberländer in große Partylandschaften. Auch wenn Südafrika und Brasilien mehr Nachteile als Vorteile durch die WM hatten. Die FIFA ist trotzdem drauf und dran die Seele der Weltmeisterschaften zusehends zu verkaufen. Zum einem geht es um finanzielle Aspekte. Schon lange ist bekannt, dass die FIFA in den Gastgeberländern Steuerfreiheit genießt. Wenn man diese der FIFA nicht gibt, kann man seine Bewerbung gleich mal in die Tonne treten. Das viele WM-Vergaben nicht ohne Schmiergeldzahlungen über die Bühne gingen, ist mittlerweile bekannt. Den letzten ist dann wohl mit der WM-Vergabe 2022 aufgefallen, dass da irgendwas nicht ganz normal läuft. Als auf einmal Sepp Blatter, den Zettel aus einem Umschlag holte und dort: Katar, stand. Auch die Vergabe der WM nach Russland, ließ Zweifel laut werden. Warum gab man nicht den vernarrten Engländern die Weltmeisterschaften? Oder den Vereinigten Staaten?

Der FIFA geht es gar nicht mehr darum ob ein Land den Fußball liebt, das Volk hinter einer WM steht oder das Turnier nachhaltig wäre. Nein, es geht einfach nur noch ums Geld und eigene Vorteile!

Nur wenige Nationen auf dieser Welt wären wohl in der Lage in kürzester Zeit diesen großen Sportwettkampf ohne Probleme zu stemmen.

„Deutschland organisierte 2006 wohl die beste und nachhaltigste WM aller Zeiten.“

Da wären die Engländer. Sie verfügen mittlerweile auch über viele, große und moderne Arenen. Alleine in London befänden sich die Spielstätten von Arsenal (Emirates Staidum), Chelsea (Stamford Brigde), Tottenham Hotspur (aktuell im Neubau), West Ham United (Olympiastadion London) sowie der Palast Wembley. Darüber hinaus wären auch die Stadien in Newcastle, Middlesbrough, Liverpool und Manchester, geeignete Standorte für eine WM. Darüber hinaus ist in England eine gute Verkehrsinfrastruktur vorhanden. Und die Engländer lechzten ohnehin wieder nach einem großen Turnier. Die letzten Turniere die auf der Insel stattfanden waren die WM 1966 und die Euro 1996.

Deutschland organisierte 2006 wohl die beste und nachhaltigste WM aller Zeiten. Auch die Stimmung war großartig. Und obendrein stand nach den Wettkämpfen reihenweise neue Arenen in der Bundesliga. München baute auch wegen der WM neu. Hannovers Stadion wurde umgebaut, Hamburg baute um, das Berliner Olympiastadion wurde teuer saniert, Nürnberg und Kaiserslautern wurden saniert. Leipzigs Zentralstadion bekam ebenso eine Generalüberholung. Und sogar einige Stadien, konnten gar nicht berücksichtigt werden für WM-Spiele wie Mönchengladbach, Leverkusen und Bremen.

Auch die Vereinigten Staaten, die zuletzt 1994 die Titelkämpfe austrugen, hätten genügend große Stadien zur Verfügung. Und man kennt die US-Amerikaner. Für Spitzensport konnten sie sich schon immer begeistern. Und dann hört es auch schon wieder auf, mit Ländern die eine WM organisatorisch, finanziell und infrastrukturell stemmen könnten. Einzig die Franzosen noch. Spanien und Italien stehen finanziell selbst vor dem Kollaps. Andere Länder in Europa könnten eine WM nicht stemmen. Außerdem wäre es kaum sinnvoll in Schweden, Slowenien oder Estland große Arena bauen zu lassen. Die Ligen dort haben sehr niedrige Zuschauerschnitte.

„Jetzt kann man dem neuen Präsidenten wenigstens zu gute halten, dass er sich an seine Versprechungen hält. „

Aber Katar, ein Wüstenstaat, der auf internationaler Ebene ein Lichtlein im Fußball ist, die WM zu geben? Ja, das war dann selbst jenen zu viel, die sich nur am Rande mit Fußball beschäftigen. Zu mal eine WM im Sommer in Katar gar nicht stattfinden könnte, weil es dort einfach viel zu heiß ist. Dann wird eben kurzerhand mal der ganze europäische Spielplan auf den Kopf gestellt, obwohl davon in der Bewerbung gar keine Rede war. Denn ausgeschrieben war eine Weltmeisterschaft 2022 im Sommer und nicht im Winter.

Doch nicht nur die Vergabe der WM an Katar ist ein guter Grund bald nicht mehr bei Weltmeisterschaften einzuschalten. Sondern auch, der Plan vom neuen FIFA-Präsidenten Infantino die WM ab 2026 auf 40 oder 48 Teams aufzustocken.

Der Aufschrei war groß. Auch in Deutschland. Bundestrainer Joachim Löw nahm Abstand von diesen Plänen. Eine Verwässerung des Wettbewerbs, hieß es. Es ist aber nicht so, dass man nicht vorher wusste, was man bekommt. Infantino bewarb sich mit vielen weiteren um das Amt des FIFA-Präsidenten und sagte vorher einheilig, er werde das WM-Turnier abstocken bzw. will das. Die UEFA-Länder gaben ihre Unterstützung für den Italiener bekannt. Und damit auch für die Aufstockung des Turniers. Jetzt kann man dem neuen Präsidenten wenigstens zu gute halten, dass er sich an seine Versprechungen hält.

Ende des Jahres befürwortete Grindel die Pläne der FIFA, unter gewissen Umständen. Die Umstände hat er dagegen nicht genau geschildert. Vor kurzen dagegen hieß es wieder, dass sich der DFB darauf verständigt habe beim 32-Mannschaften-Format bleiben zu wollen und man wolle eine Diskussionen in den Konföderationen anregen. Auch in der UEFA. Die Frage ist lediglich, ob man diese Erweiterung überhaupt noch stoppen kann oder das Exekutiv-Komitee (in das Deutschland aktuell keinen Vertreter entsendet) einfach die Aufstockung durchwinkt. Das Turnier würde bei einer Aufstockung kompliziert werden. Von den verrücktesten Gruppen-Konstellationen mit acht 5er-Gruppen, zehn 4er-Gruppen oder eine Playoff-Runde. Eine weitere KO-Runde wird nicht eingeführt. Heißt mehr Teams kämpfen um die Qualifikation für das Achtelfinale. ->

DFB: Interview mit dem DFB-Präsidenten zur WM-Erweiterung

Seitens der FIFA wird auch damit argumentiert, dass eine WM-Erweiterung für „kleinere“ Staaten ein wahres Fußball-Fest wäre. Emotionen auf der anderen Seite. Und auf der anderen Seite geht es natürlich darum noch mehr Geld im Bereich Vermarktung und Sponsoring zu erzielen.

Auch beim 32er-Teilnehmerfeld waren bisher auch einige Überraschungsteams und Neulinge dabei. Man erinnere sich an den Siegeszug von Senegal bei der WM 2002 (Viertelfinale) oder den Erstteilnahmen von Angola, Togo und Trinidad/Tobago bei der WM 2006. Auch 2010 und 2014 gab es wieder Neulinge im Teilnehmerfeld wie zum Beispiel Nordkorea oder Bosnien/Herzegowina.

Bereits 2022 werde ich an meine Grenzen kommen. Schaue ich das Winter-Turnier in Katar? Ein Turnier in einem Land, das null Fußball-Tradition hat? Jedes europäische Land hat mehr Fußballtradition als Katar. Ich persönlich sauge auch immer die Stimmung auf, bei solchen Turnieren. Die Stimmung in den Stadien, auf den Straßen. Was man halt vor der Glotze mitnehmen kann. Aber wahrscheinlich werde ich dem Sport zum Trotz trotzdem einschalten. Weil ich mein Land beim Turnier unterstützen werden. Weil ich diesen Sport liebe. Und dann eben mit Glühwein und Weihnachtsgebäck vor dem Fernseher sitze und Deutschland gegen Australien anschaue. Eine WM-Erweiterung ab 2026 wäre dann mir aber zu viel. Dann schalte ich lieber ab und treffe mich lieber mit meinen Freunden auf dem Bolzplatz zu einem Mini-WM-Turnier. Mit 1,5 Litern Eistee, einer alten abgebolzten Kugel und spiele die „Großen“ nach, die irgendwie in 35 Kleinstgruppen den WM-Pokal holen wollen. Das ganze hat dann immer noch mehr Seele und Leidenschaft, als die echte Weltmeisterschaft.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s