Weltfußball: Wer zahlt schafft an

Ich habe bereits öfters darübergeschrieben, was ich davon halte, dass der Fußball als „Vorbild“ gilt. Aber bei dieser EURO fühle ich mich wieder dazu genötigt, bei einigen Themen in diese Kerbe zu schlagen.

Volle Stadien: Geht´s noch?

Budapest, Kopenhagen und London haben ihre Stadien großzügig ausgelastet. Dafür wurde auch die UEFA massiv kritisiert. Fakt ist: dass am Ende die Länder großzügig aufgestockt haben. München blieb bei seinen 14.000 Zuschauern. Wenn die Politik und die Behörden, mehr Zuschauer gelassen hätten, wäre es so gewesen. Die UEFA hat vor allem auf London massiven Druck ausgeübt. Aber die Moderatoren des Podcasts Players vom Deutschlandfunk sagten treffend: Zu einem der erpresst, gehört auch immer einer dazu, der sich erpressen lässt. Bei der massiven 60.000-Zuschauer-Politik von Boris Johnson, schwingt vor allem ein sportpolitisches Interesse mit. England möchte sich für die Fußball-Weltmeisterschaft 2030 bewerben. Die UEFA hat bereits angekündigt, die Bewerbung zu unterstützen. Doch volle Stadien in den Finalspielen lassen die Unterstützung bestimmt anwachsen. Zumal England mit starker Konkurrenz aus Südamerika bei der WM-Vergabe rechnen muss. Denn die Südamerikaner wollen die WM zum 100-jährigen WM-Jubiläum wieder ihren Kontinent holen. Und ohne Zweifel steckt bei Johnson eine populistische Politik-Linie dahinter. 

Finde ich die Politik der genannten Städte gut? Nein. Aber ich muss mich als Fußball-Fan nicht dafür geißeln lassen, wenn Politiker die Stadien voll machen. Punkt. 

Greenwashing bei den UEFA-Sponsoren

VW wirbt mit seinen Elektro-Auto, chinesische Firmen werben bei der UEFA EURO. Damit wird sogenanntes Greenwashing betrieben. Sein Image also reinwäscht, mit Sportsponsoring. Kein neuer Move. Darüber kann man sich zu Recht aufregen. Aber leider im Weltsport auch nichts neues. Denn der FC Bayern nimmt ebenfalls Millionen aus Katar und hält seit einigen Jahren dort sein Wintertrainingslager ab. Muss man das unterstützen als Klub? Nein, muss man nicht. Fakt ist aber auch. Im Sport war das Geld schon immer entscheidend. Das ist keine neue Entwicklung. Sie spitzt sich immer mehr zu. Denn gefühlt wird in den Fußball, in die Wettbewerbe, Sponsoring so viel Geld investiert wie nie. Aber auch in anderen Bereichen des Lebens zeigt sich: wer zahlt, schafft an. 

Projektion in den Fußball

Fairplay ist für mich das A und O. Dem anderen Spieler hochhelfen, nach einem Foul. Nach der Niederlage die Gegenspieler abklatschen. Bei einem Handspiel mal zum Schiri gehen und sagen: Hey das war Hand. Die Grundlagen halt. Das erwarte ich von Fußballspielern. Ich erwarte von Spielern grundsätzlich keine politische Meinungsäußerung. Sie können es tun, müssen es aber nicht. In den Fußball wird zu viel hineinprojiziert. 

Keiner will Nazis, homophobe oder rassistische Menschen in den Stadien haben. Niemand. Aber zur Wahrheit gehört auch. Auf der Tribüne wird die Gesellschaft abgebildet. Genauso wie im Job. Man darf sich da keinen Illusionen hingeben. Ein gewisser Anteil der Bevölkerung ist kriminell. Also werden diese Kriminellen auch teilweise in Brot und Butter sein und arbeiten. Diese Personen gehören aus dem Stadion herausgedrängt, keine Frage. Und der Fußball kann seinen Beitrag leisten mit Regenbogen-Kapitänsbinden und Anti-Rassismus-Kampagnen. Doch letztlich muss die Gesellschaft selbst dafür sorgen, solche Menschen aufzuklären. Der Fußball alleine wird es nicht schaffen. Ich möchte damit solches Verhalten nicht entschuldigen ganz im Gegenteil. Aber man muss die bittere Realität nun mal anerkennen. Auch Fan-Projekte, für das lange in Ingolstadt gekämpft wurde, tragen ihren Teil bei. 

Außerdem muss der Fußball auch hier vor seiner eigenen Haustüre kehren. Immer noch gibt es im deutschen Fußball keinen aktiven Fußballspieler der sich als homosexuell geoutet hat. 

Fußballer als Vorbild

„In jedem Kader gibt es fünf richtig blöde Spieler. Von denen würde einer auf jeden Fall unter der Brücke landen, wenn er nicht Fußball spielen würde“, sagte Hans Meyer einmal. Fußballer als Vorbilder? Vielleicht taugen Fußballer als Vorbilder, wenn Torhüter richtig geile Paraden abliefern. Wenn ein Spieler grandiose Freistöße schießt. Aber generell sind Fußballer kein Vorbild. Dafür ist Fußball erstens viel zu emotional. Fußballer hauen nachdem Spiel (ab und zu) mal einen raus im Interview. Wenn sie mal einen raushauen, schreit die Republik auf. Vorbildfunktion. Was denken denn die Leute? Wenn ein Spieler nach einer Niederlage vor die Mikros geht? Das er frohlockt? Wenn er eine Phrase drischt, sind die Spieler zu aalglatt. Was denn nun? Wollen wir Spieler, die immer das gleiche verzapfen, schön eingeübt mit dem Pressesprecher. Oder wollen wir emotionale Spieler die mal einen raushauen? 

Spieler taugen nur bedingt als Vorbild. Da kommt mal ein Spieler um die Ecke, der ein Video rumschickt, in dem er masturbiert. Woanders zeigen Fußballer wie Christian Pulisic ihre Fußball-Skills über einem Meerestier und stürzen dann ins Wasser. 

Der Fußball ist zu emotional. Spieler taugen nicht als Vorbild, nicht pauschal. Manche ja. Manche Eigenschaften ja. Aber Spieler pauschal als Vorbilder auszurufen, ist Schwachsinn. 

Kritische Turniervergaben

Das die FIFA die Weltmeisterschaft 2022 nach Katar vergeben hat, ist absoluter Wahnsinn. Es ist ein Schlag ins Gesicht, für jeden der diesen Sport liebt. Denn Katar hat mit Fußball gar nichts zu tun. Hier haben reiche Menschen mit Scheinen gewedelt und die Funktionäre haben brav abgestimmt. Menschenrechte spielten bei der Vergabe absolut keine Rolle.

Bei Sportveranstaltungen ist das leider keine Seltenheit. Das IOC (Internationale Olympische Komitee) ist genauso ein korrupter Haufen. Denn 2008 fanden die Sommerspiele in Peking statt. Und China ist wirklich sehr für die Einhaltung der Menschenrechte bekannt. Bei der Vergabe der Olympischen Winterspiele 2002 Salt Lake City war jede Menge Schmiergeld im Spiel. Die Entscheidungen des IOC sorgten vor allem im neuen Jahrtausend immer wieder für Kopfschütteln. Die Attraktivität Spiele auszurichten nimmt immer mehr ab. Viele traditionellen Wintersport-Orte zogen ihre Bewerbungen immer wieder frühzeitig zurück. Vor allem weil die Bevölkerung sich gegen die Spiele ausspricht. Die Sommerspiele 2024 und 2028 wurden zwischen Paris und Los Angeles „aufgeteilt“, weil es schlichtweg an Bewerbern mangelte. Das IOC muss mittlerweile regelrecht um Gastgeber betteln. Bei den Sommerspielen wurde der Vergabemodus jetzt geändert. Das IOC geht nun offensiver auf mögliche Bewerber zu. Um das Verfahren auch transparenter zu machen. 

Beim Weltfußball ist eher das Problem, dass der Investitionswille ungebrochen ist. In Europa wird auch viel Geld reingepumpt in den Sport. Doch es ist vor allem der Nahe Osten, der den Geldbeutel aufmacht. Nach wie vor gilt Asien als gigantischer Wachstumsmarkt für den Fußball. Der Fußball begeistert Milliarden Menschen auf der Welt. Und solange es immer noch Staaten und Organisationen gibt, die hier massiv investieren, wird sich bei der UEFA und FIFA nichts ändern. Wo wie wieder beim Thema sind: Wer zahlt, schafft an.

Doch höchstkritische Turniervergaben sind kein neuer Zeitgeist. In der heutigen Zeit wird mehr auf Menschenrechte geschaut. Das ist auch richtig und wichtig. Die Weltmeisterschaft 1978 fand in Argentinien statt. In Argentinien herrschte damals eine brutale Militär-Diktatur. 1966 vergab die FIFA die Turniere 1974, 1978 und 1982. Zur Zeit der Vergabe herrschte auch in Spanien noch die Militär-Diktatur von Francisco Franco. Als 1982 der Fußballzirkus sich auf der iberischen Halbinsel einfand, war Spanien erst fünf Jahre wieder demokratisch.

2018 ging die WM nach Russland. Auch hier wurden Funktionäre geschmiert um für Russland zu stimmen. Aber auch aus politischen Gründen war die Vergabe nach Russland kritisch. Doch mit der Vergabe der WM 2022 setzte die FIFA dem ganzen Wahnsinn die Krone auf. Zumal auch die USA einen guten Gastgeber abgegeben hätte.  

Was lässt sich abschließend sagen? Soll man einfach die Hände in den Schoß legen? Nein, kritisch hinschauen und auch Kritik üben. Wir können nur mit unserem eigenen handeln zum Teil einen Wandel vollziehen. Wer in der Türkei Urlaub macht, darf nicht schreien, dass die Türkei Menschenrechte nicht achtet. Wer zuhause bleibt, verbessert die Situation vor Ort zwar nicht, handelt aber konsequent. Und konsequentes handeln ist schon viel wert. Selbst mit gutem Beispiel vorangehen, hilft. Sich selbst einsetzen, dafür werben. Aber niemand darf so illusorisch sein, die Mächte UEFA und FIFA zu verändern. Wer zahlt, schafft an. Und wer mit sich selbst im reinen ist, braucht keine Vorbilder, die oftmals keine sind.  

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