3. Liga: Brot und Spiele?

Die erste und zweite Bundesliga organisiert durch die Deutsche Fußball Liga (DFL) hat bereits grünes Licht bekommen. Ab dem 16. Mai rollt wieder der Ball im Ober- und Unterhaus. In Wartestand waren die beiden Ligen deswegen, weil das grüne Licht der Bundesregierung noch fehlte. Die DFL wusste scheinbar die Politik zu begeistern. Denn insbesondere vor der Entscheidung „pro Wiederaufnahme des Spielbetriebs“ sorgten einige Meldungen für Irrungen und Wirkungen. Erst meldete der 1. FC Köln positive Corona-Fälle und pfiff Spieler Verstraete zurück. Der gab nämlich ein Interview, dass der Presse-Abteilung des 1. FC Köln gar nicht schmeckte. Und aus dem sehr offensiven und ehrlichen Interview wurde ein Übersetzungsfehler. Die Republik lachte und schlug die Hand über die Köpfe zusammen. Danach meldeten mehrere Medien, dass die DFL den Klubs einen Maulkorb verpasste. Corona-Fälle sollten also nicht mehr so offensiv gemeldet werden, bis die DFL selbst die Fallzahlen nach der ersten großen Testwelle veröffentlichte. Und dann war da noch das Video von Kalou von Hertha BSC. Er stützte das Bild des geldgierigen Profis. Aber er gab auch einen Einblick ins Innenleben der Kabine. So einwandfrei mit dem Hygiene-Konzept scheint das ja doch nicht zu funktionieren.

Wer dachte, dass spätestens diese Aktion den Wiederanpfiff der Bundesligen ins Wanken bringe, sah sich geirrt. Die DFL veröffentlichte ein deutliches Statement und bügelte über den Fall drüber. Mund abwischen, weitergeht´s. Sogar die Automobil-Industrie blitzt aktuell in Berlin mehr ab, als die Fußball-Lobby.

Da wären wir nun. Doch die Frage ist wohl, wie geht’s mit denen vom DFB organisierten Ligen weiter? Der DFB hat heute sein Hygiene-Konzept veröffentlicht. Für jeden einsehbar. In größten Teil ähnelt es dem der DFL. Das Konzept ist sehr genau und auch durchdacht. Doch es gibt auch Stellen, bei denen man den Eindruck gewinnt, es geht langsam wirklich nur noch ums Biegen und Brechen um Geld und Brot und Spiele für das Volk.

Seite 22 „Vorgaben zur Wiederaufnahme des Spielbetriebes im Stadion – Hygienische Aspekte (1/3)

„11. Auch die Trainer und nicht aktive Spieler (Ersatzspieler) sind dazu verpflichtet im Stadion Mund-Nasen-Schutz zu tragen, sofern ausreichende Distanzen (auf den Trainerbänken) nicht erreicht werden.“

12. Die Spielbälle müssen vor und während des Spiels desinfiziert werden.“

15. Nutzen der Gemeinschaftsräume (Umkleide, Duschen) in kleinen Gruppen, mit Gewährleistung der 1,5 Meter Abstand“

„16. Einzelduschen empfohlen (um Wasserdampf als Leiter von Viren zu anderen Personen auszuschließen) oder Duschen Zuhause / im Hotel in Erwägung ziehen.“

Weitere Zitate erspare ich mir. Ihr könnt das Konzept selbst komplett unter folgenden Link lesen:

https://assets.dfb.de/uploads/000/222/170/original_2020-05-08_Task_Force_Sportmedizin_3.Liga_Version_2.pdf?1588945647

Das Konzept ist detailliert und sehr durchdacht. Daran besteht kein Zweifel. Es soll alles dafür getan werden, dass keiner an Corona erkrankt und sich das Virus nicht groß verbreiten kann. Und dass bei einer Erkrankung die Infektionsketten schnell nachvollziehbar sind. Getrenntes duschen, überall Sicherheitsabstand, Mundschutzgebot für alle. Es sind viele Auflagen. Sinnvoll, aber es ist unglaublich aufwendig, „nur“ um den Spielbetrieb irgendwie zu ermöglichen. Und jeder dürfte es mittlerweile kennen, über eine längere Zeit einen Mundschutz zu tragen ist alles andere als angenehm, wenn auch notwendig. Darum versuche ich zumindest, Erledigungen in denen ich länger einen Mundschutz tragen muss, einfach zu meiden.

Doch es zeigt sich vor allem auch eins. Es ist ein unglaublicher Aufwand nötig, um wirklich diese Infektionsgefahr einzudämmen. Ich als Spieler würde mir da teilweise schon dumm vorkommen. Außerdem wird das Konzept mit den oben zitierten Maßnahmen in eigenen Stadien kaum durchführbar sein. Einige Vereine haben ihre Bedenken auch bereits beim DFB hinterlegt.

Doch der DFB hat sich nun in aller Deutlichkeit geäußert. Der zuständige DFB-Vizepräsident für die 3. Liga Peter Frymuth und der DFB-Schatzmeister Dr. Stephan Osnabrügge sprachen in einem DFB-Interview über das Hygienekonzept. Sie äußerten Unverständnis darüber, dass die ersten beiden Bundesligen bereits grünes Licht für die Wiederaufnahme des Spielbetriebs erhalten haben, die vom DFB organisierten Wettbewerbe (3. Liga, Frauen-Bundesliga, DFB-Pokal und Frauen-DFB-Pokal allerdings nicht).

Frymuth kontert Bedenken einiger Vereine, dass die Hygiene-Vorhaben in einigen Stadien nicht durchgeführt werden können, so: „Festzuhalten ist, dass alle Äußerungen in diese Richtung aus Standorten kommen, die sich seit Wochen klar für einen Saisonabbruch aussprechen.“ Die Vereine, die für einen Saisonabbruch sind, sind also wieder die Buhmänner. Deutlicher wird das in einer weiteren Aussage, die durchaus als Druckmittel verstanden werden kann: „An der Wiederaufnahme des Spielbetriebs müssten die Klubs der 3. Liga das größte Eigeninteresse haben, auch wirtschaftlich. Denn nur dann kann sichergestellt werden, dass ein Aufstieg in die 2. Bundesliga stattfindet – mit den damit verbundenen Erlösen aus der Zentralvermarktung.“

Geht nachdem TSV 1860 München und dem FCI soll die 3. Liga noch sportlich beendet werden. Bild: Roland Geier

Das bedeutet also, der Traum einer Aufstockung im Falle eines Spielabbruchs ist wohl genauso ausgeträumt. Außerdem wird bei einem Abbruch auch keinen Aufstieg der aktuellen beiden Spitzenteams Duisburg und Mannheim geben. Fraglich ist weiterhin, wie es mit den Regionalligen weitergeht. Hier gibt es scheinbar auch keinen Austausch. Als Zwischennote lässt sich jedenfalls herauslesen, dass wohl die Regionalliga-Meister weiter in ihren Ligen stecken bleiben. Der DFB übt also weiter indirekt Druck auf die Vereine aus.

Unmittelbar nachdem ich den Beitrag verfasst habe, meldete die Süddeutsche Zeitung dass DFB-Vize Bugar im MDR sagte, dass die dritte Liga auf jeden Fall spiele. Der DFB legt also mit einer „Aus-Basta-Aussage“ markig nach.

Bei der letzten Abstimmung der Drittliga-Klubs kamen es zu einer knappen Mehrheit für die Weiterführung des Spielbetriebs. Für den Abbruch stimmten: Duisburg, Mannheim, Magdeburg, Halle, Zwickau, Münster, Großaspach und Jena. Bei der Abstimmung enthielten sich Kaiserslautern und Meppen. Gegen die Wiederaufnahme stimmten also größtenteils die Teams, die im Abstiegskampf stecken.

Beim Halleschen FC und beim 1. FC Magdeburg gibt es aktuell auch noch eine landespolitische Hürde. Wie der Kicker berichtete ist in Sachsen-Anhalt ist bis zum 27. Mai jeglicher Wettkampfbetrieb untersagt. Ausnahme ist ein Kleingruppen-Training bis zu fünf Personen. Eine Sonderrolle für Magdeburg und Halle erteilte der Ministerpräsident Rainer Haseloff bereits eine Absage. Hier wird also spannend. Möglich wäre jedenfalls, ob die Teams in ein anderes Bundesland umziehen. Halle jedenfalls möchte sich bereits auf die Saison 2020/2021 vorbereiten und verzichtet auch auf ein Kleingruppentraining aktuell.

Doch wer fällt am Ende die Entscheidung? Am 25. Mai findet der außerordentliche DFB-Bundestag statt. Dort soll die finale Entscheidung fällen, ob weitergespielt wird. Doch es stehen noch einige Fallbeine im Weg. Vor allem was mit den Klubs in Sachsen-Anhalt passiert. Jedenfalls scheint der DFB gewillt auf Biegen und Brechen den Spielbetrieb fortzusetzen. Das Hygiene-Konzept ist gut, doch ich stelle ein großes Fragezeichen hinter die detaillierte Umsetzung, vor allem in der dritten Liga. Möglicherweise ist der Aufwand bei vielen Klubs immens. Denn bauliche Begebenheiten lassen sich in der Schnelle jedenfalls nicht verändern. Es bleibt spannend was mit der dritten Liga passiert. Bekommt das Volk noch weitere Brot und Spiele?

Ich bleibe jedenfalls beim Beispiel aus meinem Betrieb. Hat eine oder mehrere Personen, Corona wird mein Betrieb geschlossen und zwar für mind. zwei Wochen. Man darf gespannt sein, wie DFL und DFB reagieren, wenn es mehrere Infizierte bei den Teams gibt. Der Spielbetrieb ist nur auf Probe, hat DFL-Geschäftsführer Christian Seifert bereits gesagt. Doch die große Frage ist: Muss das alles sein?

Links zu den Beiträgen:

DFB: Task Force Sportmedizin / Sonderspielbetrieb im Profi-Fußball – 3. Liga – Version 2

https://assets.dfb.de/uploads/000/222/170/original_2020-05-08_Task_Force_Sportmedizin_3.Liga_Version_2.pdf?1588945647

Süddeutsche Zeitung: DFB-Vize Bugar: „Die 3. Liga wird auf jeden Fall spielen“

https://www.sueddeutsche.de/sport/fussball-dfb-vize-bugar-die-3-liga-wird-auf-jeden-fall-spielen-dpa.urn-newsml-dpa-com-20090101-200508-99-994577

Kicker: „Nicht sinnvoll“: HFC verzichtet auch auf Kleingruppen-Training

https://www.kicker.de/775133/artikel/_nicht_sinnvoll_hfc_verzichtet_auch_auf_kleingruppen_training

DFB: Positives Signal für die 3. Liga und Frauen-Bundesliga

https://www.dfb.de/news/detail/positives-signal-fuer-die-3-liga-und-frauen-bundesliga-215380/?fbclid=IwAR3c2RrlfaHjCqcuRm5a_sTQV81lRK3w07Rbl32n7D3Bu6qXLSqrZ-MSUDE

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