Wenige Sekunden erstklassig

Als das 2:1 für Schalke fiel, war das Spiel Freiburg – Ingolstadt bereits abgepfiffen. Ich sprang voller Freude und Ekstase von der Couch auf, sprang regelrecht durchs Wohnzimmer. Ja wir hatten unser Endspiel gegen Schalke 04. Auf die Freude folgte binnen Sekunden der Schock, ich fiel in eine Schockstarre als der Kommentator sagte: „Das Tor zählt nicht.“ Das Spiel Schalke – Hamburg war ohnehin schon überfällig, das Tor fiel sogar nach der angesetzten dreiminütigen Nachspielzeit, also wurde nach der Ecke auch abgepfiffen. Aus, vorbei. Unsere Schanzer gehen nach zwei Jahren wieder runter. Es war ein komischer Tag. Und irgendwie hatte ich auch im Gefühl, dass dieses 1:0 von Schalke und das 1:1 nicht halten würde. Es war dieses Gefühl, dass dieses Fußball-Happyend uns einfach nicht gegönnt werden soll.

…Wie heißt es so schön, vor Gericht und auf hoher See ist man in Gottes Hand. Manchmal auch im Abstiegskampf…“

Alles nach der Reihe. Am Samstag begab ich mich morgens ausgerechnet nach Augsburg zu meinem Fortbildungslehrgang. Ich zeigte Flagge und lief mit meiner grauen FCI-Jacke ein. Ich ging meinen Pflichten nach und fuhr dann nachhause. Dieses Mal war nicht Auswärtsfahrt angesagt, sondern den vorletzten Spieltag vor dem Fernseher verfolgen. Da wir ja in der Hand des HSV lagen, schauten wir Konferenz und nicht das Spiel einzeln. Schalke legte vor mit einer 1:0-Führung. Es lief also jetzt pro Ingolstadt. Bis der Kommentator „Tor in Freiburg“ rief. Und natürlich trafen die Breisgauer zur Führung. Maximilian Philipp traf, nachdem Romain Bregerie sich verschätzte. Es hieß also: Abstieg. Das war´s. Doch die Schanzer spielten gut und glichen in der 43. Minute schließlich aus. Marcel Tisserand versuchte sich als Stürmer und zog ab, Lezcano staubte zum 1:1 ab. Jetzt war alles gut. Schalke führte, bei unseren Schanzern stand des Remis. Das würde reichen für einen Showdown. Auf den anderen Plätzen vielen Tore ohne Ende. Bremen ging gegen Hoffenheim unter. Auch Leipzig schoss Bayern erstmal ab, am Ende drehten die Münchner die Partie trotzdem. Während auf Gelsenkirchen das Spiel vor sich hinplätscherte und Schalke verpasste das 2:0 nachzulegen. In Freiburg drückten unsere Schanzer, doch der Ball, wie schon so oft, nicht im Tor zappeln. Es ging in die Schlussminuten. Und ich betete, dass jetzt bald Schluss ist. Doch der HSV drückte in Gelsenkirchen nochmal. Schalke bekam nichts mehr auf den Kasten, zumindest wenn es richtig Sechszehner der Hanseaten ging.  Hamburg kam wieder ins Spiel. Und als bei Ingolstadt – Freiburg fast Schluss war, wurschelten sich die Rothosen irgendwie doch noch in den Sechszehner durch. Am Ende drückte am zweiten Pfosten Joker Lasogga zum 1:1 ein. Ich konnte es nicht glauben. Es war vorbei. Der HSV schaffte es doch noch ins Spiel zurück zu kämpfen oder wie auch immer man es nennen möchte. Meine Reaktion zum 2:1 ist aus dem Beginn des Textes bekannt.

Und so saß ich auf der Terrasse, rauchte eine und trank ein Bier, starte und fühlte mich einfach nur noch leer. Der Abstieg tut weh, aber richtig. Ich wusste nun zumindest ein bisschen wie sich die Schalker 2001 gefühlt haben, als sie für circa drei Minuten Deutscher Meister waren. Wir waren auch für nicht einmal eine halbe Minute doch noch erstklassig. Wie heißt es so schön, vor Gericht und auf hoher See ist man in Gottes Hand. Manchmal auch im Abstiegskampf.

Bild: Roland Geier

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