Premier League, Bundesliga oder La Liga? Wer hat die beste Liga der Welt – Teil 3

Heute geht es um: Spitzenklubs in der Liga / Ausgeglichenheit

In der Bundesliga gibt es allen voran erstmal einen großen alles überstrahlenden Spitzenklub. Was Titel, Finanzen, Zuschauer, Fanklubs und Rekorde angeht. Den FC Bayern München. Die Münchner sind seit Jahren, nein eigentlich Jahrzehnten der Branchen-Primus in der Bundesliga. Oft, allen voran in den letzten Jahren stellte sich nicht die Frage, ob die Bayern Meister werden, sondern wann. In der vergangenen Saison gelang ihn wieder etwas Einmaliges. Als erster Bundesligist der Geschichte holten sie vier Meisterschaften in Folge. Drei Titel in Folge gelangen den Bayern ebenfalls. Allerdings schaffte das auch Borussia Mönchengladbach. Der große Rivale in den 1970er-Jahren.

Dahinter sortiert sich die Bundesliga im Spitzen-Segment immer wieder neu. Dauerhaft also über 5 – 10 Jahre schaffte es selten ein Team den Bayern ständig und immer auf den Fersen zu liegen. Was auch daran liegt, dass die Münchner sich gerne am Spitzenpersonal des Konkurrenten bedienen. Anfang der 2000er-Jahre eisten die Bayern einige Spieler von Werder Bremen los (Borowski, Frings und Klose). Danach wechselten die Spieler von Borussia Dortmund an die Isar (Lewandowski, Götze, Hummels…) Die Dortmunder konnten Anfang der 2000er-Jahre noch Nähe zu den Bayern halten, ehe sie fast finanziell kollabierten. Dann tat sich ein neuer Riese in der Liga auf. Werder Bremen besiegte 2004 die Bayern eindrucksvoll im Olympiastadion mit 3:1 und feierte später sogar das Double. Die Bremer konnten sich danach noch zwei – drei Jahre oben halten, ehe auch hier die Abstiegsspirale begann. Spieler wurden weggekauft, den europäischen Wettbewerb verpasst und, und, und. Leverkusen rang den Bayern einmal fast die Meisterschaft ab, blieb aber gleich in drei Wettbewerben, zweiter Sieger. Und Schalke feierte eine sehr kurze Meisterschaft, ehe die Bayern im Fernduell im Volksparkstadion sich doch noch die Schale sicherten.

„Und dann reagierten die Bayern wieder wütend.“

Die Münchner Dominanz durchbrachen dann als One-Hit-Wonder nur Stuttgart (2007) – Schalke wurde Vize-Meister trotz zwischenzeitlich gutem Polster – und der VfL Wolfsburg (2009) demontierte Bayern sogar mit 5:1.

Und dann nach langer Durststrecke, betrat ein neuer Riese das Parket der Bayernjäger. Borussia Dortmund meldete sich mit einer jungen, wilden Truppe, teilweise mit No-Names bestückt zurück im Klub der Spitzenteams. Gleich zweimal in Folge gewannen die Dortmunder souverän die Meisterschaft. Die Bayern verloren in Folge die Spiele gegen die Schwarz-Gelben. Und als Krönung der vorzeitigen Wachablösung im deutschen Fußball gewannen die Dortmunder das Pokal-Finale noch mit 5:2 (!!).

Und dann reagierten die Bayern wieder wütend. Sie setzten wieder zur Einkaufstour an. Und das nicht zum ersten Mal. Bereits einige Jahre zuvor rief Uli Hoeneß dazu auf. Damals entstand das legendäre Wort „Festgeldkonto.“ Ribery, Toni und Klose wurden an die Isar gelockt. Das Ergebnis war bekannt: Deutsche Meisterschaft. Und die Liga hatte nachdem eleganten Diego nun einen weiteren filigranen, Edel-Techniker als Star. Die Liga gewann langsam Einzelspieler mit internationaler Strahlkraft für sich. Oh, Entschuldigung. Die Bayern, nicht die Liga.

Nur einen Titel holten die Bayern eben nicht, die Champions League. Nachdem „Debakel“ im eigenen Stadion gegen Chelsea, dürstete die goldene Generation um Lahm und Schweinsteiger danach, den Henkelpott endlich wieder nach München und Deutschland zu holen. Seit 2001 waren die Bayern zweimal im Vereine und verloren. Und dann rollte Bayerns Express mit Jupp Heynckes, Richtung Meisterschaft. Mit 25 Punkten Vorsprung gingen die Bayern ins Ziel. Die Dortmunder dagegen hatten ebenfalls ihren Spaß. Zwar nicht in der Liga, dafür aber in der Königsklasse. Erst gewannen sie legendär im Viertelfinale gegen Malaga irgendwie dieses Rückspiel, bei dem sogar den Radio-Modertoren der Torschütze „scheißegal“ war. Und im Halbfinale schoss Dortmund Real Madrid im Hinspiel mit 4:1, sodass die 0:2-Niederlage in Madrid, trotzdem das Weiterkommen nicht gefährdete. Auch die Bayern wüteten durch den Wettbewerb. Und im großen Halbfinal-Klassiker schossen die Bayern, die bis dato wohl beste Mannschaft der Welt, den FC Barcelona mit 7:0 (nach Hin- und Rückspiel) aus dem Wettbewerb. Und so hatte Europas Klubfußball zum ersten Mal ein deutsches Finale. Ausgerechnet im Wembley, duellierten sich Dortmund und Bayern. Das Ende war bekannt. Robben ließ drei Dortmunder stehen, plus Weidenfeller und erzielte in den Schlussminuten dieses hochklassigen Endspiels das entscheidende 2:1. Mit dem Pokalsieg setzten sich Bayern und der Edle Statesmen Heynckes dann das Denkmal: Triple. Die Bundesliga und die Welt staunte. Und vor allem in der Bundesliga fragte man sich, ist das der Beginn nun einer neuen Bayern-Dominanz? Die Antwort lieferte Bayern schließlich selbst, als die spanische Titelmaschine Pep Guardiola als neuer Trainer präsentiert wurde. Der Spanier schaffte zwar nicht mit Bayern die Champions League zu gewinnen. Allerdings wurden die Münchner unter seiner Führung dreimal Deutscher Meister und zweimal Pokalsieger. In der Königsklasse scheiterten die Bayern stets im Halbfinale.

In Deutschland ist klar ein Übergewicht der Bayern zu erkennen. Was auch daran liegt, dass die Münchner geschickt ihre Finanzen aufgebessert haben. Die Anteile der FC Bayern München AG wurden an die Audi AG, Allianz SE und die Adidas AG (zu je 8,33%) veräußert. Das garantiert den Bayern stetiges Kapital. Desweiteren haben die Münchner mittlerweile jede Menge zahlungskräftige, internationale Großsponsoren im Portfolio. Das Festgeldkonto ist gefüllt. So konnten die Bayern, auch durch clevere Spielerzukäufe und Wegkäufe bei der Konkurrenz ihre Vormachtstellung in Deutschland sichern und ausbauen. Dahinter konnte sich nie dauerhaft ein stetiger Konkurrent etablieren, der gleichstark oder länger konstant den Münchnern gefährlich wurde.

 

Deutsche Meister der letzten zehn Jahre + Vizemeister

2006/2007: Meister VfB Stuttgart / Vize-Meister: FC Schalke 04

2007/2008: FC Bayern München / Werder Bremen

2008/2009: VfL Wolfsburg / FC Bayern München

2009/2010: FC Bayern München / FC Schalke 04

2010/2011: Borussia Dortmund / Bayer 04 Leverkusen

2011/2012: Borussia Dortmund / FC Bayern München

2012/2013: FC Bayern München / Borussia Dortmund

2013/2014: FC Bayern München / Borussia Dortmund

2014/2015: FC Bayern München / VfL Wolfsburg

2015/2016: FC Bayern München / Borussia Dortmund

 

Englische Premier League

In England wird immer von den Top Four gesprochen: Manchester United (Rekordmeister), dem FC Liverpool, dem FC Chelsea und Arsenal London. In den letzten Jahren wurde dieser durch eine neue „Größe“ erweitert, nämlich Manchester City.

Die Spitzengruppe in England ist ein nahezu geschlossener Kreis. Allen voran Chelsea London und Manchester City investierten in den vergangenen Jahren Unsummen in neue Spieler. Ein Transferrekord jagte den nächsten.

„Festzementiert haben ihre Erfolge die Titelträger hingegen nicht.“

Zwar lässt sich in England beobachten, dass es selten einem „anderen“ Team gelingt, außer den oben genannten in den Top 4 bzw. Top 5 der Liga zu landen. Aber dafür wechseln sich die Liga-Meister immer wieder ab. Von 2006 – 2009 siegte Manchester United dreimal in Folge und löste damit den Rekordmeister und Rivalen FC Liverpool ab. 2009/2010 wurde Chelsea zum vierten Mal englischer Meister. Dann wurde der Titel zwischen den beiden Rivalen aus Manchester ausgespielt. Abwechselnd siegten entweder City oder United in den darauffolgenden vier Jahren. Chelsea gewann vorletztes Jahr den Titel. Und vergangene Saison schaffte Leicester City die Sensation und wurde englischer Meister. Dieser Titelkampf war in England, spannend wie lange nicht. Fast bis zum Schluss gab es einen Dreikampf zwischen Leicester, Arsenal und Tottenham.

Festzementiert haben ihre Erfolge die Titelträger hingegen nicht. Die Abstände zwischen Meister und Vize-Meister waren entweder nie größer als elf Punkte. In den letzten zehn Jahren sahen so die Punkteabstände zwischen Ersten und Zeiten aus: 6, 2, 4, 1, 9, punktgleich (die bessere Tordifferenz entschied), 11, 2, 8 und 10. Heißt der Titelkampf ist meistens recht spannend im Mutterland des Fußballs.

In der Bundesliga stiegen in den vergangenen Jahren die Abstände massiv an: 2 Punkte, 10, 2, 5, 7, 8, 25, 19, 10, 10.

In der spanischen La Liga gewannen seit 2006/2007 ausschließlich Real Madrid und der FC Barcelona die Meisterschaft. Die Dominanz konnte nur einmal 2013/2014 Atletico Madrid durchbrechen. Der letzte Meister der nicht Real, Barcelona oder Atletico hieß war 2003/2004 der FC Valencia. Da der Meisterschaftskampf dort ohnehin nur ein Zweikampf ist, spare ich mir an dieser Stelle den Vergleich an Punkten zwischen Meister und Vize-Meister.

Was die Ausgeglichenheit steht die Bundesliga am besten da. Es dominieren die Bayern zwar, aber immer wieder gab es Rivalen die ein paar Jahre den Bayern schwer machten oder gar Meister wurden. Borussia Dortmund wird jedenfalls dieses Jahr noch versuchen sich als dauerhafter Konkurrent weiter zu etablieren und mittelfristig wieder Meister zu werden. Was allerdings den Abstand zur Konkurrenz angeht, haben die Bayern in den letzten vier Jahren Maßstäbe gesetzt. Die Zeiten der knappen und spannenden Meisterschaften ist in der Bundesliga seit einigen Jahren vorbei. Dagegen gelingt es immer wieder Teams sich mit Geduld und guter Transferpolitik nach oben zu arbeiten. Zuletzt ging der Stern von Hertha BSC auf. Zuvor etablierte sich Borussia Mönchengladbach als Spitzenklub. Dieses Jahr sind die Fohlen allerdings von ihrem Weg abgekommen. Und immer wieder spielen sich andere Klubs, zumindest für eine Saison nach oben. Die Top5-Plätze von Augsburg, Freiburg oder Mainz sind ein Beweis dafür. Heißt in der Bundesliga ist alles was hinter der Top3-Spitzengruppe kommt, recht offen. Ganz, oben wo die Luft dünn ist, herrscht dagegen große Tristesse. Der Abstiegskampf ist seit einigen Jahren ein zähes Ringen, dass bis zum letzten Spieltag geht. Und diesem fallen auch hin und wieder Traditionsvereine oder langjährige Bundesligisten zum Opfer.

In England regieren die Top-Five, die Titelträger wechseln sich aber dafür immer wieder ab und die Meisterschaften enden immer wieder denkbar knapp. Heißt im Puncto Spannung im Meisterschaftskampf ist England der Gewinner.

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