Hannover 96 II ist am vergangenen Wochenende wieder in die Regionalliga abgestiegen. Ob Dortmund II oder Stuttgart II den Niedersachsen folgen, wird sich noch in den verbleibenden beiden Partien zeigen. Doch der Aufstieg von Hoffenheim II in die 3. Liga erzürnt landesweit wieder die Gemüter der Fans. Das alte Thema mit den zweiten Mannschaften kocht wieder hoch. Doch warum interessiert das die Klubs in der 3. Liga eigentlich nicht? Und den DFB erst recht nicht?
Zweitvertretungen gehören seit jeher zum Liga-Bild in Deutschland. Noch zu Zeiten der zweigleisigen Regionalliga fand man Zweitvertretungen in den jeweiligen Staffeln. Prominent waren damals immer die „Bayern Amateure“. Für Zweitvertretungen ist im deutschen Ligasystem in Liga drei, Schluss. Eine Liga müssen die erste und zweite Mannschaft trennen. Doch die Zweitvertretungen sorgen Jahr für Jahr für neue Diskussionen. Dortmund II, Hannover II und Stuttgart II befinden sich auf den letzten vier Plätzen beim Zuschauerschnitt. Zwischen 2.028 und 3.353 Zuschauer mobilisieren die Klubs bei ihren Heimspielen. Nur der SC Verl hat mit 2.743 Zuschauer im Schnitt pro Spiel ein ähnlich schlechten Schnitt. Auswärts sind die Blöcke oftmals gänzlich leer. Außerdem zahlen zweite Mannschaften auch nicht auf die Attraktivität des „Produkts 3. Liga“ ein. Wer findet schon Stuttgart II gegen Viktoria Köln attraktiv?
Das die Zweitvertretungen eine gute Möglichkeit sind um Jugendspieler an den Profi-Fußball heranzuführen ist ohne Zweifel, gut. Freiburg II wurde 2022/2023 Vize-Meister, Bayern II sogar 2019/2020 Drittliga-Meister. Doch die Zweitvertretungen verzerren damit das Tabellenbild, den aufsteigen dürfen sie nicht. Doch wenn der Jahrgang hochgezogen wird oder einige Spieler wechseln, steht oftmals der Abstieg im Folgejahr an. Ebenfalls ein Faktor ist, dass die Zweitvertretungen oftmals auf Spieler ihrer ersten Mannschaften zurückgreifen können und dies auch gerne mal tun. Hier wird oft das Wort Wettbewerbsverzerrung genutzt. Ob ein oder zwei Spieler nun den entscheidenden Unterschied machen, bleibt dahingestellt. Fairer macht es den sportlichen Wettkampf jedoch nicht.
Der Aufschrei der Lizenzteams in Liga drei hält sich in Grenzen bzw. es gibt keinen. Denn es geht mal wieder ums liebe Geld. Denn für den Unterhalt der Zweitvertretungen sind die Profiklubs verantwortlich. Zum Beispiel für die Stadionmiete, wenn ein Umzug notwendig ist (siehe Stuttgart II). Vom Fernsehgeldtopf erhalten die zweiten Mannschaften jedoch nichts. Damit steigt pro Lizenzteam auch anteilig das Fernsehgeld, desto mehr Zweitmannschaften in Liga drei spielen. Damit ist auch der Grund geliefert, warum die Vereine im Liga-Ausschuss die Füße brav stillhalten.
Denn für eine „bessere 3. Liga“ muss eine große Reform her. In England gibt es eine U21-Liga, die sogenannte Premier League 2 mit insgesamt 26 Teams und einer Finalrunde im Play-off-Modus. Dadurch spielen die U21-Teams auf einem ähnlich hohen Leistungsniveau. Dafür bräuchte müssten DFL und DFB allerdings das große Besteck rausholen um dieses Problem nachhaltig zu lösen. Außerdem müssten die TV-Erlöse nochmal steigen, damit alle 20 Vereine ein fairen Anteil erhalten.
Bei der U19- und U17-Bundesliga hat der DFB bereits gehandelt und eine große Reform umgesetzt. Bei der 3. Liga wäre sie längst überfällig, ebenso beim Aufstiegsnadelöhr Regionalliga / 3. Liga. Doch bis jetzt gibt es keinerlei Anzeichen dafür. DFB, DFL, die Klubs und die Landesverbände schweigen zu diesem Thema. Also freuen uns auf den nächsten Zuschauermagnet Hoffenheim II in Liga 3.
