Ein Traum in gelb und oranje

Es war eine Party in gelb und oranje. Im März bekam ich zu meinem 30. Geburtstag von meinen Freunden ein Ticket für die Europameisterschaft geschenkt. Das Achtelfinale in München. Mannschaften logischerweise noch unbekannt. Vor dem Turnier sah es eher nach Belgien gegen Österreich aus. Am Ende wurde es Niederlande gegen Rumänien. Eine Traumpartie und ein Traum-Tag.

Zu viert entschieden wir uns, die Niederlande zu unterstützen. Mit ihren Fanmärschen und ihrem Partysong „links rechts“ verwandelten die Niederländer die deutschen Städte in orangefarbene Meere. Mit den Schotten eroberten die „Holländer“ in kürzester Zeit die deutschen Herzen. Ausnahme wäre natürlich ein niederländisch-deutsches Duell gewesen. Denn da sind halt die Gräben immer noch recht tief.

Gekleidet in orangenen Shirts ging über Garching-Hochbrück zum Stadion. Bereits unterwegs riefen uns einige deutsche Landsleute „good luck“ zu. Achso, dachten wir uns. Man muss sich in Deutschland also „nur“ verkleiden, dann sind schon alle nett zu einem. Angekommen am Stadion, gingen wir auf Bilderjagd. Wir schossen zahlreiche Fotos mit niederländischen und rumänischen Fans. Am Haupteingang baten wir Sicherheitsmann Sven um ein Bild. Er sieht das Spiel leider nicht. Anders dagegen zwei Frauen, die mit einem Schild „Business Seats“ reichen Menschen den Weg weisen. Sie sehen das Spiel.

Vor dem Anpfiff lernten wir noch zwei niederländische Frauen kennen, die beruflich in Österreich zuhause sind und nun ihr Team in München unterstützen. Mit ihnen ging es nach Spielende noch auf die Fanzone in München um herauszufinden, wer der niederländische Viertelfinal-Gegner wird.

Während unserer Foto-Tour stellte uns sich immer wieder die Frage: in welchem Block sitzen wir eigentlich? Tja, natürlich im rumänischen. Dort trafen wir auch einige Österreicher an, die darauf spekulierten das heute ihr Team dort spielt. Wie eingangs erwähnt: Gruppensieger C gegen Gruppendritter. Die Österreicher dagegen kickten um 21:00 Uhr in Leipzig um ihr Viertelfinal-Ticket.

Unsere Plätze waren Masterclass. Reihe 7 hinter dem Tor. Zu Beginn war Rumänien überlegen, doch schnell brachten die Niederländer das Spiel unter Kontrolle. Cody Gakpo brachte den Europameister von 1988 schließlich mit einer tollen Einzelaktion in Führung. Mit steigender Spieldauer wurde die Partie ein Spiel auf ein Tor. Oranje erspielte sich Chance um Chance, stellte aber erst zehn Minuten vor Schluss auf 2:0. Den langen Spielstand von 1:0 vermochte Rumänien nicht zu nutzen, sodass es am Ende verdient 3:0 für die Niederlande stand.

Die Stimmung während des Spiels war etwas Besonderes. Die rumänischen Fans waren akustisch in der Münchner Arena klar überlegen. Sorry Niederlande. Nachdem Spiel wurde noch friedlich gefeiert und gesungen. Vor allem die Rumänen übernahmen in der U-Bahn wieder das musikalische Zepter. Die Rumänen waren trotz der Niederlage stolz auf ihre Mannschaft und die Niederlande froh, dass ihre Reise fortführen dürfen.

Für uns war dieses EM-Spiel ein unvergessliches Erlebnis. Diese besondere Stimmung aufzusaugen. Einfach der Wahnsinn! Für mich persönlich ist ein großer Traum in Erfüllung ergangen. Und seitdem das DFB-Team ausgeschieden ist und England und Frankreich Europa mit ihrem Schnarchzapfen-Fußball nerven heißt es für mich: Hopp Oranje! Holt euch nach 1988 wieder den Titel in Deutschland!

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