Chaos, kampflos, Frust und Hoffnung

Galvao, Kerschbaumer, Gimber, Diawusie, Heerwagen, Osawe und Co. Die Liste der Neuzugänge las sich hoffnungsvoll. Experten, Fans und die Liga-Konkurrenten waren sich einig. Mit dem FCI muss gerechnet werden. Einer der teuersten Kader der Liga ging an den Start um nun ums blanke Überleben zu kämpfen. Die ganze bisherige Saison war von Chaos, Personalrochaden, Trainerwechseln geprägt. Eine Saison die selten so chaotisch war. Zur Winterpause versuche ich nun meine Gedanken ein bisschen zu ordnen. Eigentlich wollte ich bis 07.01 keinen Beitrag schreiben. Aber der FCI lässt mir einfach keine Ruhe.

Bescheiden war die Zielsetzung der Schanzer. Es wird einfach eine bessere Saisonplatzierung als vergangene Saison angestrebt. Und wenn die Top-Favoriten Hamburg und Köln straucheln, werden die Schanzer da sein. Fakt ist, die Schanzer sind und waren nie da. Ein Sieg steht in der ersten Saisonhälfte zu Buche. Wer sich noch erinnern kann, das war ein 3:2 gegen Erzgebirge Aue. Gegen die Teams die vor dem FCI stehen Sandhausen, Aue, Magdeburg und Duisburg gelang ebenfalls kein Sieg.

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Ort eines schlimmen Debakels: das Ruhrstadion. Die Schanzer kassieren dort ihre höchste Pflichtspielauswärtsniederlage der Vereinsgeschichte. Foto: MR

Der Kader so gut wie noch nie. Das haben wir alle gesagt. Auch ich war mir recht sicher, dass mit dem diesem Kader echt was gelingen kann. Auf allen Positionen wo dringender Handlungsbedarf herrschte, wurden Spieler verpflichtet. Und auch Spieler die eine gewisse Qualität mitbringen. Einzig auf der Stürmer-Position kam kein echter Knaller.

Das erste Saisondrittel war geprägt von einer Trainerdiskussion. Ist Stefan Leitl der richtige Trainer für die Schanzer? Bereits vergangene Saison torkelte der FCI irgendwie durch die Runde. Nach einem schlechten Start, kam eine Siegesserie, dann gewann man lange nicht mehr um dann irgendwie doch noch den Kopf aus der Schlinge zu ziehen.

Die Schanzer spielten keinen guten Fußball. Die Kampfbereitschaft fehlte, das spielerische Konzept, echte Typen. Der negative Höhepunkt war die peinliche Klatsche in Bochum. 6:0 verlor der FCI, der absolut chancenlos war. Angelo Vier stellte sich mehr oder weniger vor Stefan Leitl. Ein Spiel später, war er Geschichte. Mit der Entlassung von Stefan Leitl endete eine ganze Dekade. Leitl prägte jahrelang das Spiel der Schanzer als Spielführer und wichtigster Mann auf dem Platz. Später trainierte er Jugendmannschaften und die U21 und stieg dann zum Chef-Trainer auf. Seinen Bonus als Legende nutzte Stefan Leitl nie um die Fans auf seine Seite zu ziehen.

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Vier musste dann überfälligerweise dann auch mal gehen. Mehr gibt es dazu nicht zu sagen.

Auch Alexander Nouri konnte die Schanzer nicht entscheidend weiterentwickeln. Was blieb war seine positive Ausstrahlung und sein Glaube an die Mannschaft. Gewonnen hat das Team deswegen nicht. Unter ihm zeigten die Schanzer teilweise auch wilde Leistungen. Darunter auch das 4:0 in Sandhausen. Was vom Spiel gegen Sandhausen blieb, dass sich unsere Verteidiger gegenseitig über den Haufen liefen. Es war zum Wegschauen. Und Dresden ließ milde walten, als es zur Halbzeit im Rudolf-Harbig-Stadion nur 2:0 stand.

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Kurze Verweildauer an der Donau. Nouri wird seine Umzugskartons noch gar nicht ausgepackt haben, dann war er schon wieder weg. Bild: Roland Geier

Der hochgelobte Kader bewies Spiel für Spiel, dass er eben hochgelobt wurde. Eine Ansammlung von Einzelspielern. Eine Ansammlung von Spielern die überschätzt wurden. Spieler die nicht in der Lage waren, eine Mannschaft von innen heraus zu führen. Die Rückkehr von Almog Cohen sehnten alle herbei. Den er war der einzige verbliebene Führungsspieler, der sich in diesem schicken teuren Kader noch verbarg. Die Causa Matip mache ich hier nicht mehr auf. Eins kann ich sagen, seine Ablösung war hinfällig und Robert Pätzold ebnete gegen den Hamburger SV einen Weg, den eben Jens Keller dann fortführte.

Der Kader wurde auch schön und stark geredet. Wenn ich jede Woche hören würde, ich bin ein toller Hecht, dann würde ich das auch irgendwann glauben.

Das Spiel das Hoffnung und Freude bereitete, war das Spiel gegen den Hamburger SV. Roberto Pätzold saß als Interimscoach auf der Bank und stellte eine Truppe auf, bei der ich in hellem Jubel ausbrach. Pintidis, Kotzke, Buntic und Kaya standen in der Startelf. Mein Hashtag dazu war „Jungschanzerlove.“ Die jungen Wilden ackerten und gaben Gas ohne Ende. Am Ende setzte sich die Klasse des HSV halt durch. Aber Fatih Kaya traf bei seinem Zweitliga-Debüt. Dieses Spiel machte echt Bock. Die kämpferische Leistung hat gestimmt. Dieses Spiel machte wirklich Lust auf mehr. Und so blöd es klingen mag, dieses Spiel wird mir noch lange in Erinnerung bleiben, auch wenn wir es am Ende verloren haben.

 

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Kann man mal machen: Kaya trifft bei seinem Debüt zum ersten Mal für den FCI. Bild: Roland Geier

 

Jens Keller soll nun den Karren aus dem Dreck ziehen. Keller jedenfalls muss von seinen Fähigkeiten überzeugt sein. Denn wer übernimmt schon gerne einen Klub der seit Wochen die „Rote Laterne“ innehat? Leichte Verbesserungen waren zu erkennen. Doch ein Durchbruch gelang noch nicht. Auffallend jedenfalls ist vor allem scheinbar ein Fitness-Problem. Den Spielern geht regelmäßig ab der 70. Minute die Puste aus. Unter Jens Keller gelang leider bisher noch nicht der heiß ersehnte zweite Saisonsieg. Und wie soll es auch anders sein, verloren die Schanzer ihr viertes Derby gegen den Jahn Regensburg in Folge. Dieses Derby war wieder ein großer Rückschritt. Denn der FCI ließ über weite Strecken der Partie die notwendige Galligkeit vermissen. Und in einem Derby ist noch viel mehr Galligkeit notwendig, als in normalen Spielen. Der einzige der als Leader vorangeht ist Almog Cohen. Doch einer alleine reicht nicht. Seine Anstrengungen sind aller Ehrenwert, verlaufen aber ins Leere, weil wenige Mitspieler mitziehen.

Das Gesamtbild ist erschütternd. Zwei Jahre war der FCI in der Bundesliga, die Schanzer fielen weich in der zweiten Liga. Es gab Klubs die in den Fahrstuhl einstiegen und ihn in der dritten Liga erst wieder verlassen haben.

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Ein Spielführer ohne Mitkämpfer. Almog Cohen frustiert nach der erneuten Derbypleite gegen Regensburg. Bild: Roland Geier

Mittlerweile steht der 3,5te Trainer an der Seitenlinie. Unser Trainerverschleiß ist absolut himmelschreiend. Ein Sportdirektor musste seine Sachen packen, dafür kam Thomas Linke als Extener Berater wieder zurück. Jetzt soll Jens Keller mit diesem Haufen den Klassenerhalt schaffen. Wer alles kommen wird als Verstärkung wird spannend. Denn ein Tabellenletzter in der zweiten Liga ist jetzt nicht das attraktive Ziel für Spieler. Das einzige was ein bisschen Hoffnung macht ist der Blick auf die Tabelle. Drei Punkte Rückstand auf den ersten Nichtabstiegsplatz. Man muss froh sein, dass die direkte Konkurrenz so gütig war nicht oft zu siegen. Zum gleichen Zeitpunkt vergangene Saison wäre man bereits hoffnungslos abgeschlagen gewesen. Nämlich mit satten zwölf Zählern Rückstand. Die Kellerkinder sind in dieser Saison auf gleichen Niveau schlecht.

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Ein Abwehrverbund der kein Verbund ist. Benedikt Gimber und Lucas Galvao beim Auswärtsspiel in Dresden. Bilder: Roland Geier

Ich hoffe inständig dass der FCI irgendwie die Kurve noch kratzt. Ich hoffe, das Jens Keller es gelingt diesem Team noch Leben einzuhauchen. Wir haben schon viele Abstiegskämpfe geführt. Und schon weit aussichtslosere. Ich hoffe, dass wir diesen auch gewinnen. Und dann muss aber alles auf den Prüfstand. Ein „Weiter so“, darf es beim FCI nicht geben. Sonst waren diese zwei Jahre Bundesliga wirklich nur reiner Zufall und nicht das Produkt guter Arbeit im Bereich der Sportlichen Leitung.

Ansonsten drohen Duelle gegen Mannschaften die man immer belächelt hat für ihr Chaos, Kaiserslautern und 1860. Wenn es so weitergeht, sind wir bald gleichgesinnte. Hoffentlich ist jedem einzelnen Spieler klar, was auf dem Spiel steht. Uns Fans ist es jedenfalls schon lange genug klar.

 

Ein Gedanke zu “Chaos, kampflos, Frust und Hoffnung

  1. Sehr viel wahres, die Maus beißt aber den Faden nicht ab, wenn ein gewisser Herr Hasenhüttel nicht hier in Ingolstadt zum richtigen Zeitpunkt gewesen wäre, befände sich der Verein schon längst im fußballerischen Nirwana. In Ingolstadt weht ein Wind der Lockerheit, der Unbekümertheit der Sicherheit und lässt alle dabei in eine Lethargie verfallen. Diese Lethargie ist bestimmt keine Erfindung der Ingolstädter, ich habe aber dies in dieser Form noch nie persönlich miterleben müssen. Für mich gibt es nur einen Schluss, die volle Verantwortung tragen ganz alleine die Verantwortlichen, sie haben dem Verein eine Aura eingehaucht die mit Ernsthaftigkeit nichts zu tun hat und diese Leute werden es auch mit professioneller Hilfe von Jens Keller nicht schaffen. Was jetzt passiert ist Chaos pur und nach dem letzten Interview mit Jens Keller, habe ich auch meine Zweifel an seinen Fähigkeiten. Ein gutes neues Jahr.

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