Olympia 2020: Deutschlands blamage und eberls irrtum

Die Olympischen Spiele sind das größte Sportereignis der Welt. Viele Sportarten und Sportler:innen sind für wenige Wochen im ganz großen Rampenlicht. Sportarten, die sonst wirklich unter den Teppich landen und nicht mal bei Spartensendern laufen.

Wer die grenzenlosen Emotionen der Sportler:innen bei Olympia sieht, kann sich ansatzweise vorstellen, was vielen eine Teilnahme oder eine Medaille bedeutet. Der deutsche Männerfußball hat bei diesen Spielen in Tokio gezeigt, wie wichtig ihm Olympia ist. Nämlich gar nicht. Trainer Stefan Kuntz telefonierte nach eigenen Angaben 100 Spieler ab. Am Ende reisten 15 Feldspieler und drei Torhüter nach Tokio. Drei Kaderplätze wurden nicht besetzt. Die Olympia-Mannschaft konnte sich nicht einspielen und scheiterte am Ende in der Vorrunde, nach einem 2:4 gegen Brasilien, 3:2 gegen Saudi-Arabien und einem 1:1 gegen die Elfenbeinküste. Der Turnier-Spirit der 2016 zu Silber führte, konnte gar nicht einsetzen. Denn, ohne den Spielern nahe treten zu wollen; der Kader hatte nicht die Qualität für eine Medaille. Es fehlten einfach wichtige Stützen, um die junge Truppe führen zu können.

Bedenklich stimmt vor allem, dass Kuntz regelrecht betteln musste um Spieler. Die Vereine stellen reihenweise ihre Spieler nicht ab. Bayerns Nummer drei Ron-Thorben Hoffmann durfte nicht nominiert werden. Die neue Bundesliga-Saison startet erst kommende Woche. In der Regionalliga Süd steht bei Bayern II steht Jakob Mayer zwischen den Pfosten. 

Es kam kein Olympia-Feeling auf, kritisierte Kuntz. Denn die Mannschaft wurde regelrecht abgeschirmt. Natürlich wegen Corona. Vor allem die Stimmung im Olympischen Dorf soll laut vieler Sportler:innen immer ein großes Erlebnis sein. Doch fehlender Stimmung und Abschirmung zum Trotz, vertritt die DFB-Auswahl, Deutschland bei den Olympischen Spielen. Und das Verfahren im Vorfeld war eine bodenlose Frechheit. 

Scheinbar war es nicht möglich einen schlagfertigen Olympia-Kader zusammenzustellen. Die Vereine blockierten. Und keiner hat verlangt, dass die Vereine Europameisterschaftsfahrer abstellt. Anders als es die Spanier machen. Dort kickt zum Beispiel Dani Olmo nach der EURO, bei Olympia mit. Unfassbare Belastungen! 

Gladbachs Manager Max Eberl sagte der Rheinischen Post: „Für ihn habe das Olympische Fußballturniert nicht den Stellenwert, wie eine Welt- oder Europameisterschaft. Das mag sein. Aber es lässt in der Fußball-Blase mal wieder tief blicken. Mit Europa- und Weltmeisterschaften lässt sich halt viel mehr Geld verdienen als mit Olympiafahrern. 

Spannend ist in diesem Kontext jedoch, dass die US-amerikanische Basketball-Mannschaft seit Ende der 1980er-Jahre regelmäßig ihre besten Kader zu den Olympischen Sommerspielen schickt. Legendär war der Auftritt bei Olympia 1992 in Barcelona, als das „Dream-Team“ mit hohen Vorsprüngen die Partien gewann und Gold holte. Und auch die NBA ist finanziell in ganz anderen Ligen unterwegs. Doch den US-Amerikanerin ist wichtig, ihre bestmögliche Mannschaft auf das Parkett zu schicken. Olympia-Gold in „ihrer“ Sportart Basketball ist Pflicht. 

Fast schon vergessen ist da die Silber-Medaillie der Fußball-Herren in Rio de Janeiro 2016. Damals waren auch zwei Schanzer mit dabei. Max Christiansen (heute: Greuther Fürth) und Robiert Bauer (aktuell vereinslos) holten olympisches Silber. Damals standen u. a. Philipp Max, Nikas Süle, Matthias Ginter, Lars und Sven Bender, Julian Brandt, Serge Gnabry, Leon Goretzka und Nils Petersen im Olympia-Kader. Es war die erste Olympia-Teilnahme der Fußball-Herren seit 1988 in Seoul. Damals holte Deutschland Bronze. 

Die Olympia-Norm bildet im Übrigen die U21-Europameisterschaft. Wer es ins Halbfinale schafft, qualifiziert sich für die Olympischen Spiele. 2024 finden die Sommerspiele in Paris statt. Die U21-EURO in Rumänien / Georgien wird also das Qualifikationsturnier für die DFB-Mannschaft. Vorher sollten sich die deutschen Fußballfunktionäre vielleicht darüber verständigen, ob Deutschland bei einer erfolgreichen Qualifikation für Olympia, überhaupt teilnehmen möchte. Andere Länder würden sich über den Platz im Feld des Fußballturniers freuen. Oder Deutschland schickt eine starke und stolze Mannschaft nach Paris. Denn bei Olympia mag es zwar keine großen Preisgelder geben. Aber es geht um den Respekt auch gegenüber den anderen Sportler:innen und auch für Fußballer sind Olympische Spiele ein einmaliges Erlebnis. Und nach Bronze 1988 in Seoul und Silber 2016 in Rio, wäre eine Olympische Goldmedaille doch mal ein ambitioniertes Ziel für den deutschen Fußball.  

Die deutsche Frauen-Mannschaft gewann 2000 in Sydney, 2004 in Athen und 2008 in Peking, Bronze. 2016 kürten sich die Frauen zum Olympiasieger. Für die Spiele in Tokio verpassten sie die Olympia-Norm. Aber ich bin mir sicher, Bundestrainerin Voss-Tecklenburg hätte nicht betteln gehen müssen für einen schlagfertigen Kader. 

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