Koan Neuer – Kommentar zum DFB-Kader

Der Weltmeister geht mit einem starken Kader ins Trainingslager. Joachim Löw hat für einige Überraschungen gesorgt. Im Grunde kann ich über den Kader nicht klagen, wären da nicht die Torhüter. Sandro Wagner bleibt daheim, Nils Petersen darf mit ins Trainingslager. Mario Götze der WM-Held von 2014 findet ebenfalls nicht im Kader. Joachim Löw hat wie fast immer bei seiner Nominierung des vorläufigen WM-Kaders für Überraschungen gesorgt.

Ich kann mit dem Kader durchaus leben. Ich finde den Kader sehr stark. Insbesondere im Mittelfeld brauchen wir uns keine Sorgen machen. In der Abwehr im Grunde auch nicht. Vorausgesetzt Boateng wird fit und Hummels erreicht mit seinem Bayern-Kollegen im Turnier die Weltklasse-Form. Denn beide sah ich in dieser Saison nie wirklich in Weltklasse-Form. Im Sturm ist mit Werner ebenfalls ein Top-Mann mit dabei. Durchaus denkbar dass er mit Müller als Zweier-Spitze agiert. Würde sich meiner Ansicht nach gut ergänzen.

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Einzig das inkonsequente handeln in der Causa „Gündogan & Özil“ stört mich. Abgesehen davon, dass ich Özil überschätzt und bei weitem nicht so gut sehe, wie er oft gesehen wird, wäre eine Nicht-Berücksichtigung durchaus konsequentes handeln gewesen. Das Treffen mit dem türkischen Präsidenten sorgte zu Recht für großes Aufsehen. Das Treffen an sich ist nicht das Problem. Allerdings die Trikot-Übergabe. Beide Spieler hätten dafür durchaus mit einer Nicht-Nominierung bestraft werden können. Allerdings wird in der Sport-Welt mittlerweile großer Wert darauf gelegt, Politik und Sport zu trennen. Sport soll und darf nicht politisch sein. Weil wenn Sport politisch wäre, hätte Russlands Athleten auch gar nicht bei den Olympischen Winterspielen teilnehmen dürfen. Auch nicht als OAR. Und viele europäische Fußballverbände aus demokratischen Ländern mit bisschen Moral hätten sich überlegt die WM in Katar zu boykottieren. Oder auch die in Russland. Doch die Zeiten des Boykotts sind seit Mitte der 1980er-Jahre vorbei, als einmal der Westen bei Sommerspielen im Osten (Moskau) fehlte und der Osten im Westen (Los Angeles).

Im Tor dagegen kann ich mit den Nominieren nicht ganz leben. Ter Stegen ist sportlich absolut konsequent und nachvollziehbar. Leno nicht und Trapp finde ich ebenfalls schwierig. Unverständlicher finde ich dagegen Neuers Nominierung. Zieler beispielswiese hätte sich einen Kader-Platz verdient, da er eine gute Rückrunde beim VfB Stuttgart gespielt hat.

Manuel Neuers Nominierung wirft Fragen auf. Seit Wochen wabern immer wieder Wasserstandsmeldungen durch die Medien. Ist Neuer fit? Kann er spielen? Wenn er spielt, steht er dann im Tor bei der WM? Meine Meinung ist klar. Wenn Neuer fit ist und spielen kann, darf er höchstens als Nummer drei mit nach Russland fliegen. Neuer hat seit September kein Pflichtspiel mehr absolviert und hat deswegen keine Berechtigung mit einem Länderspiel-Einsatz als Nummer eins im Tor zu stehen. Ter Stegen hat eine tolle Saison mit Barcelona gespielt und ist daher die klare Nummer eins. Es wäre schon alleine sportlich nicht fair, Ter Stegen, Neuer vor die Nase zu setzen. Der Mittelfuß von Neuer ist zum Volksfuß geworden. Konsequent wäre, wenn Neuer einfach selbst seine WM-Teilnahme absagen würde. Aber er darf niemals Nummer eins werden!! Niemals. Das DFB-Team braucht einen Torhüter bei 100%. Und nur ein Torwart der absolut topfit und Spielpraxis hat, kann sich im Turnier zu einer richtigen Wand steigern.

Grundsätzlich ist Deutschlands Kader sehr stark. Nur wenige Personalien sorgen für Diskussionen. Auch die Nicht-Berücksichtigung von Sandro Wagner ist nachvollziehbar. Mit Timo Werner und Thomas Müller hat Deutschland zwei spielerisch starke Spieler. Mario Gomez ist der Stürmer alter Schule, der als Stoßstürmer agieren kann. Sandro Wagner sehe ich spielerisch eher in der Rolle von Gomez. Und da reicht einer. Für Nils Petersen ist die Nominierung eine Belohnung. Vom Joker-Torjäger hat er sich zu einem tollen Stürmer in Freiburg entwickelt. Auch wenn er lange nur von der Bank kam, steckte Petersen zurück. Das zeigt Größe. Auch wenn Wagner zweifelsohne ein toller Typ ist und ich seine Art sympathisch finde, ist die Nicht-Berücksichtigung sportlich absolut nachvollziehbar.

Schade ist jedenfalls, dass ein ehemaliger Ingolstädter gar nicht auf dem Radar der Nationalmannschaft auftaucht. Pascal Groß, der „Aufsteiger“ der letzten Premier-League-Saison. Trotz toller Leistung in der besten Liga der Welt, fand er bisher keine Berücksichtigung bei Joachim Löw. Allerdings ist der Bundestrainer auch nicht dafür bekannt, Spieler zu nominieren die noch kein Länderspiel bestritten haben.

Wer letztlich dann aus dem Kader  gestrichen wird, wird wie immer spannend. Und noch spannender wird dann, mit welcher Truppe Löw in Russland das erste Gruppenspiel gegen Mexiko bestreiten wird. Spielerisch wird sich das Team steigern müssen. Die Euro 2016 war spielerisch zu wenig. Und es muss sich auch wieder ein toller Teamgeist entwickeln. Denn Turnier gewinnt man nicht nur Chi-Chi und Hacke, Spitze – sondern vor allem mit einer starken eingeschworenen Truppe.

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