Am vergangenen Samstag wurde Basel und die Fußball-Welt Zeuge dessen, das Mentalität die siegesentscheidende Tugend ist. Mentalität wurde zum neuen Kampfbegriff im deutschen Fußball. Gerne wird diese Diskussion bei Borussia Dortmund geführt. Aber auch im deutschen Nationalmannschaftsfußball ist seit der WM 2018 die Diskussion über Mentalität nie gänzlich abmoderiert worden.
Die DFB-Frauen haben gestern eindrucksvoll bewiesen, für was der deutsche Fußball lange stand und hoffentlich wieder in Zukunft stehen wird: Mentalität. Seit der 13. Minuten agierte die Elf von Christian Wück in Unterzahl. Der geplante Matchplan, den Französinnen über die komplette Spielzeit auf den Füßen zu stehen, wurde nun zum Pflichtprogramm. Und wie sich die Mannschaft zurück kämpfte und am Ende durchkämpfte ins Halbfinale zeigte was möglich ist, wenn jede Spielerin die Extrameter geht, daran glaubt und nicht nachlässt.
Nachdem Ausgleich durch Sjoeke Nüsken hätte der verschossene Elfmeter von ihr, abermals zu einem mentalen Bruch führen können. Doch die DFB-Elf blieb unbeeindruckt. Die Mädels kämpften, sie grätschten und schlugen die Bälle auf die Tribüne. Den Französinnen, die bis dahin im Turnier brillierten fiel gegen die deutsche Zermürbungstaktik nichts ein. Und wenn, fisch Ann-Katrin Berger die Bälle aus dem Kasten. Einen technisch scheinbar überlegenen Gegner bringt man eben mit den dreckigen Grundtugenden am meisten aus der Fassung.
In der Verlängerung hielt Berger eine Kopfballverlängerung von Minge aufs eigene Tor mit einem Reflex, der nicht von dieser Erde ist. Egal was kam, die DFB-Elf schien mental so stark zu sein, dass sie nichts mehr aufhalten konnte.
Auf der Tribüne war ich mir nachdem zweiten nicht gegebenen Abseitstor für Frankreich sicher, dass nur wir dieses Spiel gewinnen können. Denn große Spiele werden mit dem längeren Atem, Körpersprache und Kampf entschieden. Und Elfmeterschießen, sorry liebe Welt, können wir Deutsche halt am Besten. Denn die Elfmeter der deutschen Spielerinnen waren Geschosse.
Diese Partie hat auf jeden Fall einen Eintrag in die ganz großen Spiele des deutschen Fußballs geschafft. Und es war einfach unglaublich bei so einem großen Spiel live im Stadion dabei gewesen zu sein. Es sind genau solche Spiele, die zeigen wie toll dieser Sport sein kann.

Der Halbfinalgegner, Weltmeister Spanien wird abermals ein Brett. Vielleicht klappt es im dritten Spiel mal ohne Rote Karte. Vielleicht klappt es mal, dass das Team einen Matchplan vernünftig durchziehen kann. Jedenfalls sollten die Spanier vor dem Kampf der deutschen Spielerinnen gewarnt sein. Aus meiner Sicht, ist nach so einem Spiel gegen Frankreich, als das Team gegen alle Widrigkeiten ankämpfte, alles möglich.
Vielleicht, ja vielleicht ist in Basel gestern eine große Mannschaft geboren worden. Und vielleicht wird in Basel dann das letzte Kapitel dieser verrückten Reise geschrieben. Aber jetzt geht es erstmal am Mittwoch nach Zürich. Letzigrund, Halbfinale!






